Rosarote Träume

Beim dritten Versuch akzeptierte das blöde Ding endlich meine Magnetkarte und ein „klick“ gab den Weg in mein Hotelzimmer für die nächsten 2 Tage frei. Ich freute mich darauf mich einfach nur kurz auf mein Bett fallen zu lassen, einfach für 2 Minuten tief durchatmen bis ich wieder in die Lobby zum Treffen mit meinen Arbeitskollegen musste.

Ich hatte einen harten Tag, nein, eine harte Woche hinter mir und der Gedanke an diesen Firmenworkshop löste in mir in etwa den gleichen Grad der Euphorie aus wie das Ausfüllen meiner Steuererklärung. Im Büro wartete tonnenweise Arbeit auf mich, Deadlines mit Agenturen und Druckereien, die ich durch meine Abreise nicht würde einhalten können und überhaupt fühlte ich mich ganz und gar nicht in der Lage, die nächsten Tage vom Frühstück bis zum Schlafen gehen ein ich-freu-mich-ja-so-hier-sein-zu-dürfen-und-meine-kollegen-und-chefs-mal-von-einer-ganz-anderen-seite-kennen-zu-lernen Gesicht aufzusetzen.

Als ich das Licht in meinem Zimmer aufdrehte haute es mir jedoch die Augen ein. Pink wohin das Auge reicht, in jeglichen Helligkeitsgraden und Schattierungen – von schweinchenrosa bis Magenta. Ich traute meinen Augen nicht. Ich war in einem Vier-Sterne-Hotel, nicht in irgendeinem Südstaaten-Bordell, was also sollte das. Das Himmelbett war rund und umgeben von einer Spiegelreihe, die nur durch ein Fenster, dass in mein Bad, genauer gesagt in meine riesige Eckbadewanne blicken ließ. Über einer kitschigen (schweinchenrosa) Kommode hängte ein Casablanca-Filmplakat, das – Überraschung – in Pink leuchtete.

Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Las Vegas unmöglich in einer guten Stunde mit dem Auto von Wien aus erreichbar ist, hätte ich geschworen, M war, während ich auf der Rückbank friedlich vor mich hinschlummerte, irgendwo falsch abgebogen.

Plötzlich überhaupt nicht mehr müde, zückte ich natürlich sofort Handy und Digicam, um diese Ausgeburt eines offenbar betrunkenen Innenarchitekten für die Nachwelt und vor allem für meine Freunde daheim festzuhalten.

Von meinen Kollegen erntete ich zunächst einen „Jetzt fängt sie auch noch an, zu halluzinieren“-Blick auf die Frage „Sind eure Zimmer auch so rosa?!“, doch nachdem ich den Beweis angetreten war und kurzerhand eine Führung für die anderen organisierte, sah ich nur mehr in Gesichter – irgendwo zwischen Belustigung und Entsetzen.

Kurz vor der Abreise sollte ich jedoch herausfinden, dass ich in der Honeymoon-Suite gelandet war. Irgendjemand in diesem Hotel hatte offenbar einen besonderen Sinn für Humor, ausgerechnet MICH in der Honeymoon-Suite einzuquartieren. Ich, die von einer Hochzeit etwa so entfernt ist, wie Paris Hilton der öffentlichen Bücherei.

Aber – vielleicht lag es an der Bergluft oder auch an den Aperol-Spritzern, die ich mir davor reimgezwitschert hatte – geschlafen habe ich wie ein Baby.

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Februar 10, 2008. Working Girl. Kommentieren.

Grenzen

Als ich diesen Blog begonnen habe, habe ich beschlossen keine Informationen zu veröffentlichen, die mir oder meiner Familie mitunter schaden zufügen oder jemanden, der mir nahe steht, verletzen könnte. Die Anonymität ist des Bloggers bester Freund und gerade zu Beginn wägt man sich vermutlich oft in falscher Sicherheit. Doch ich bin nicht naiv, ich weiß, dass man etwas, was einmal veröffentlicht wurde, nicht einfach wieder zurücknehmen kann. Man wird niemals hundertprozentig kontrollieren können, wo Web nicht doch noch mal auftaucht, was man zuvor gelöscht hat. Ein wichtiges Thema, das in diesen Bereich hineinfällt, ist sicherlich mein Berufsleben. Bis zu einem gewissen Grad ist das der Grund, warum es hier in letzter Zeit ein wenig still geworden ist, denn abgesehen von meiner Wohnung fordert mein Job in den letzten Wochen meine komplette Aufmerksamkeit. Ich sitze oft nach der Arbeit in der Straßenbahn und mir gehen tausend Sachen durch den Kopf und ich möchte nichts lieber als darüber schreiben – wie mich immer wieder die Angst, zu versagen überkommt, wie mich Ereignisse zum nachdenken bringen, Dinge und Menschen aufregen und so manches komplett meine Sichtweise verändert.Doch ich weiß, dass ich dies später einmal bereuen könnte und dieses Risiko kann und will ich nicht eingehen. Nicht einmal für meine Psychohygiene.

November 28, 2007. Working Girl. Kommentieren.

Out of order

Ich weiß, ich weiß, in den letzten Tagen war ich wirklich seeeeehr nächlässig mit schreiben, aber ich habe wirklich gute Gründe:

- ein neuer Job

- Wohnungssuche

- Geburtstagsvorbereitungen

- Besuch von Freundinnen aus Deutschland

- Planlosigkeit und Entscheidungsschwäche ohne Ende

Ich verspreche aber hier offiziell und hoch und heilig: sobald ich sowas wie wieder den Durchblick in meinem Leben bekommen habe bzw. die Zeit und Ruhe habe, mich hinzusetzen und meine Gedanken an dieser Stelle zu ordnen und aufzuschreiben, werde ich das hier tun, großes Indianerehrenwort.

Aber bis dahin muss ich jetzt weiter zusammenräumen, denn morgen kommt meine Freundin S. und ich möchte nicht, dass sie bereits in den ersten 10 Sekunden, nachdem sie das Haus betreten hat, weiß, wie es im Moment in mir drinnen aussieht.

Oktober 10, 2007. Drama Queen, Working Girl. Kommentieren.

Working Girl

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Wie versprochen, mein Bericht zum ersten Arbeitstag. Eigentlich war alles – wie erwartet – eher unspektakulär. Ich habe in erster Linie versucht, Gesichter, Namen und Funktionen einander zuzuordnen, einen halbwegsten Durchblick bei den aktuell laufenden Projekten und der Rolle, die ich bei ihrer Durchführung spielen soll, zu verschaffen und dabei halbwegs kompetent und produktiv auszusehen.

Tatsache war aber, dass ich sehr viel Zeit nutzlos in der Gegend herumgesessen bin und bemüht war, dies durch emsiges Notizen machen, am Computer tippen und auf „Aktualisieren“ in meinen Lotus Notes-Account zu klicken.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich um einen super Job in einem tollen Unternehmen handelt und auch die Kollegen scheinen alle mehr als nur in Ordnung zu sein, aber wie schon bei meiner letzten Büro-Erfahrung, vermisse ich manchmal das kreative Chaos, das „Ins-kalte-Wasser-geworfen-werden“ und das auf sich allein gestellt sein, dass ich aus meiner Zeit als Journalistin kannte. Ich bin mir nämlich nicht 100%ig sicher, ob ich für eine klassische Corporate Career geboren bin, besser gesagt, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es nicht bin.

Zum einen langweile ich mich sehr schnell, wenn ich mich unterfordert fühle und das geht bei mir – ohne überheblich klingen zu wollen – seht schnell. Ich eigne mich auch absolut nicht für interne Firmenpolitik, die verlangt, sich bei den richtigen Leuten einen guten Namen machen, nützliche Freundschaften pflegen und wenn es sein muss, den richtigen Leuten regelrecht in den Arsch zu kriechen. Das alles geht mir so sehr gegen den Strich, dass es mir alleine bei Gedanken daran, mich für irgendetwas derartig prosituieren zu müssen, den Magen umdreht. Dazu kommt, dass ich eigentlich absolut keine Machtambitionen hege. So sehr ich es hasse, mir von jemand anderem sagen lassen zu müssen, was ich zu tun habe und wie ich es zu tun habe, dass da jemand ist, der das offizielle Recht darauf hat, seinen Senf zu meinem Schaffen zu geben und dabei oft den Intelligenzquotienten aufweist, der die Raumtemparatur nur knapp übersteigt, hege ich null Ambitionen diese Leute irgendwann einmal zu führen oder selbst diejenige zu sein, die anderen sagt, was sie tun sollen.

Ich hege da eher einen „laisser faire“-Ansatz, der in etwa so aussieht, dass ich bei meinen Projekten kreative Freiheit haben will und anderen das gleiche Recht einräumen. Die meiste Zeit bin ich nämlich ohnehin viel zu sehr mit mir und den Menschen, die mir wichtig sind beschäftigt, als dass ich mich um die Unzulänglichkeiten anderer Menschen herumärgern wollen würde.

Wie dem auch sei: Ich glaube, dass oben beschriebene Eigenschaften nicht auf meine Kollegen und Vorgesetzten zutrifft und ich weiß, dass Eigeninitiative, flache Hierarchien und Selbstständigkeit in meiner neuen Firma groß geschrieben werden, daher bin ich optimistisch, hier ein passendes Platzerl für mich gefunden zu haben.

Foto: Hugo Boss auf www.elle.de

Oktober 1, 2007. Working Girl. Kommentieren.

Dressed for Success

Morgen ist mein erster Arbeitstag in meinem neuen Job in einem großen Konzern. Bin schon gespannt, was mich erwartet, aber ich muss ehrlich sagen: Bis jetzt ist mein Umfeld aufgeregter als ich. Während ich heute zahlreiche Anrufe von Freunden erhalten habe, die mir viel Glück für morgen wünschten und ich mindestens 23 Mal an diesem Wochenende aufgeregte Aufschreie wie „Nur noch 3 Tage bis zum ersten Arbeitstag!!“ „Morgen ist dein allerallererster Arbeitstag!!“ gehört habe und im nächsten Atemzug die Frage „Und, bist schon aufgeregt???!“ beantworten musste, muss ich ehrlich sagen, dass sich meine Aufregung noch in Grenzen hält. Natürlich bin ich neugierig und hoffe, dass meine Kollegen scwer in Ordnung sind, aber eigentlich bin ich nur froh, wenn dieses ganze Neusein-Getue endlich überstanden ist und ich mich meinen täglichen Aufgaben widmen kann, anstatt mich mit Namen merken, Papierkram erledigen, Bräuche und Abläufe beobachten und blöde Frage stellen herumzuplagen.

Überhaupt: Nachdem die Outfitfrage für morgen geklärt ist, bin ich überhaupt schon viel entspannter.

Wie auch immer: Ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden und berichte dann auch von dem Wahnsinns-Wochenende, das ich hatte und warum ich noch immer ein wenig berauscht durch die Welt torkle (könnte natürlich auch eine Erklärung für meine Coolness bezüglich meinem ersten Arbeitstag sein), aber für heute muss ich Euch vertrösten, da ich meinen ersten Arbeitstag ohne Augenringe und Kurznickerchen begehen möchte.

September 30, 2007. Working Girl. Kommentieren.

Cupido im Vollrausch

Was machst du, wenn du einem umwerfenden Typen gegenüber sitzt, und ich meine hier nicht einfach einen, den du ganz hübsch findest, nein, ich rede hier von diesen ganz seltenen Momenten, in denen du jemandem begegnest, bei dem du sofort weißt: Der kann meine Welt auf den Kopf stellen. Seine Stimme jagt dir Schauer über den Rücken, die Art und Weise, wie er dich ansieht löst in deinem Bauch ein Gefühl aus, als würden kleine Gummibälle darin herumhüpfen und du verlierst jegliche Artikulationsfähigkeit. Deine Hände entwickeln plötzlich ein Eigenleben, als ob sie plötzlich nicht mehr richtig zum Rest deines Körpers gehören, du fährst dir ununterbrochen nervös durch die Haare und auch deine Stimme will nicht mehr so ganz wie du möchtest. Du piepst nur mehr unverständliches Zeug und überhaupt scheint nichts in deinem Körper mehr den Befehlen deines Gehirns zu folgen. „Been there, done that“, werden die meisten von euch vermutlich sagen.

Tja, glaub ich euch schon – aber was macht man, wenn einem das bei einem Vorstellungsgespräch passiert?!

Dann spielt sich das in etwa so ab:

Er: „Was reizt Sie an unserem Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle?“

Ich: „Also, na ja, mmhhmmm, ähh, besonders angesprochen haben mich die die Vielfalt der Aufgaben und (Diese Augen…) äääähmmm….. Identifikation mit Unternehmenskultur …(Ob er wohl eine Freundin hat…) mmmhhhm…. Entwicklungsmöglichkeiten …(Einer wie er, hat garantiert eine Freundin)…“

Er: „Was wissen Sie denn über unsere Branche?“

Ich: „Ähhhm, (F…., f….., f….. das wusste ich doch!!! Konzentrier’ dich, verdammt noch mal), also, die Branche ist vor allem geprägt durch…… (Wie das wohl wäre, ihm jeden Tag über den Weg zu laufen …) na ja, also, man kann sagen … (Bitte, lieber Gott, schenk mir ein Loch in das ich mich verkriechen kann – JETZT!!!)

Er: „Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?)

Ich: „Also, na ja, ich würde sagen …. (Ich möchte deine Kinder haben!!)

Nein, ich verliebe nie auf den ersten Blick und ich hatte auch noch nie irgendwelche Fantasien von wilden Äffären im Büro und überhaupt gehöre ich garantiert nicht zur Sorte Frau, die Männer nach der ersten Begegnung bespringen, also wie bitteschön konnte so was passieren? Und warum passieren die blöden Sachen immer ausgerechnet mir???

September 12, 2007. L'Amour, Working Girl. Kommentieren.

Der Tiefpunkt

Aufnahmetests am Samstag = nicht nur ein verlorener Samstag, sondern auch ein deprimierender Freitagabend.

Da muss morgen abend aber ganz schön viel Mojito daran glauben, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt ist oder wie war das noch mal mit der Work-Life-Balance…

August 10, 2007. Working Girl. Kommentieren.

Irrfahrten

„Oh, mein Gott. Wo bin ich hier nur gelandet?“ und vor allem „Was zum Teufel mache ich eigentlich hier?“ sind die Fragen, die mir unweigerlich durch den Kopf schießen, als ich realisiere, wohin mein Navigationsgerät mich geführt hat.

Als ich ich das alte, etwas heruntergekommene Haus sehe, das eher an eine Schabrake erinnert, als an ein Büro, möchte ich am liebsten auf der Stelle den Motor wieder anwerfen und das Weite suchen, aber nun bin ich schon mal hier, herausgeputzt und in meinem Bewerbungskostüm, am anderen Ende der Stadt und so beschließe ich doch die halbe Stunde, die mir bis zu meinem Termin bleibt noch mit einem Spaziergang in der Sonne zu vertreiben.

15 Minuten und Trips zu Trafik und Drogerie später, dann die Erkenntnis: offensichtlich gibt es noch tatsächlich Gegenden, in denen es gesellschaftsfähig ist, platinblond gefärbte Haare mit einer bunten Elvis-Locke im Stirnbereich aufzupeppen. Und offensichtlich ist es auf diesem Fleckchen Erde auch absolut in Ordnung dieses „Ich-bin-zwar-über-vierzig-aber-seht-her-wie-junggeblieben-und-hip-ich-doch-bin“-Lebensgefühl auch offen auszuleben. Nachdem bei mir also die Alarmglocken schon in schwedischer-Polizeiautolautstärke (wer schon einmal eine schwedische Polzeisirene gehört hat, weiß, wovon ich rede) läuten, ist mein Bedürfnis, das Weite zu suchen, größer als je zuvor. Aber schlußendlich – das hat man von guter Erziehung – stelle ich mich doch brav einer Stunde lang den Fragen zu einer Stelle, die ich eigentlich gar nicht will und bleibe am Ende einerseits mit dem Gefühl der „Wenigstens-ist-es-vorbei“-Erleichterung und der erneuten Erkenntnis, dass ich es absolut hasse, auf Jobsuche zu sein zurück.

August 1, 2007. Working Girl. Kommentieren.