Go with the flow
Es war der perfekte Sonntag. Und doch stand ich die meiste Zeit komplett neben mir. Ich traf mich mit Arbeitskollegen beim Vienna City Marathon, weil unser Unternehmen dort ein Zelt hatte und um all jenen mentalen Beistand zu leisten, die von unseren Kollegen beim Marathon mitgelaufen waren.
Ich saß im Schatten, meine großes schwarze Dolce&Gabbana-Brille auf der Nase, und nippte an meinem Mineralwasser und tat so, als würde ich den allgemeinen Gesprächen folgen, wärend meine Gedanken in Wirklichkeit schon längst abgescheift waren. Ich beobachtete viel lieber das Geschehen um mich herum: die Läufer, die verschwitzt, aber mit leutenden Augen der Reihe nach zurück kamen, die Partner, die einander vorgestellt wurden und wie Kollegen, die man normalerweise nur im Büro kennt, plötzlich ganz andere Seiten über sich offenbaren.
Ich war heute ganz und gar auf Beobachten aus, wollte die Eindrücke meiner Umgebung aufsaugen, hatte aber gleichzeitig nicht die Energie Teil dieser Welt zu sein, Small Talk zu betreiben und über seichte Witze zu lachen, und schon gar nicht, um über die Arbeit zu sprechen.
Ich ging vom Heldenplatz zu Fuß nach Hause. Die Straßen waren mittlerweile wieder frei für das normale sonntägliche Treiben. Ich spazierte durch den 7. und 6. Bezirk und genoss die Sonne auf meinem Gesicht, die Ruhe, die die Straßen plötzlich ausstrahlten. So als ob der Beginn der Arbeitswoche noch meilenweit entfernt läge.
Ich war etwas müde und niedergeschlagen und hatte noch dazu leichte Kopfschmerzen, aber ich beschloss trotzdem noch ins Fitnessstudio zu gehen.
Wie erwartet waren die ersten 10 Minuten auf dem Crosstrainer die härtesten, aber dann spürte ich meinen Körper aufwachen und nach weiteren 30 Minuten fühlte ich mich viel besser. Trotzdem wollte ich es heute nicht übertreiben – immerhin war das mein 4. Trainingstag hintereinander und ich möchte meinen Körper nicht überfordern.
Und bevor ich ich jetzt ins Bett lege um für morgen fit zu sein, werde ich mir noch ein paar Seiten von meinem aktuellen Buch zu Gemüte führen – Nahrung für Körper und Geist sozusagen.
Ohne Worte …
Mein Tag hat mit einer Flut aus E-Mails in meinem Posteingang begonnen und ist nicht minder anstrengend weiter gegangen. Trotz des langen Wochenendes fühle ich mich müde und ausgelaugt und auch mein Magen hat mir den Krieg erklärt.
Deshalb kuschle ich mich jetzt lieber in mein Bett, nicht aber ohne euch mit ein paar Impressionen meines Laxenburg Spaziergangs mit meiner Freundin J. zu versorgen
Jag talar svenska
Wenn Euch irgendwann in den Strassen von Wien eine junge Frau über den Weg läuft, die gedankenverloren uverständliches Zeug vor sich herbrabbelt (und nicht gerade aussieht wie eine Obdachlose), dann stehen die Chancen ganz gut, dass ich es bin.
Ich habe gerade angefangen, Schwedisch zu lernen. Und ich muss sagen, dass ich kaum eine andere Sprache gelernt habe, die ich von anfang an derart lustig und gefunden habe und gleichzeitig hat mich total der Ergeiz gepackt, diese Sprache richtig gut zu lernen.
Warum ausgerechnet Schwedisch? Wo ich doch bereits vor mehr als drei Jahren ein Semester dort verbracht habe und auch wieder nach Hause geflogen bin ohne auch nur einen Satz Schwedisch gelernt zu haben. Vielleicht ist genau die Frage nach dem langfristigen Nutzen auch der Grund, warum es trotz meiner Schweden-Faszination immer Dinge gegeben hat, die auf meiner Prioritäten-Liste weiter oben gestanden sind.
Außerdem gab es doch da noch all die anderen „coolen“ Sprachen, die ich doch auch perfektionieren wollte: Französisch zum Beispiel oder Spanisch. Nicht dass das besonders ausgefallene Sprachen wären, aber zumindest erstens weit verbreitet und zweitens in dern Augen der Allgemeinheit einfach sexier. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich nach meiner Zeit in Schweden fast ein Dreivierteljahr in Frankreich verbracht habe und auch wenn ich das alles nicht missen möchte und ich für immer eine ganz besondere Beziehung zu Paris haben werde, habe ich mich ehrlich gesagt nie so wohl dort gefühlt wie in Schweden. Trotz allem Savoir-vivre ist meine Faszination für Land und Leute bei Schweden viel ausgeprägter.
Daher habe ich beschlossen, allen fragenden Gesichtern zum trotz, Schwedisch zu lernen und ich muss sagen: Ich finde es toll. Abgesehen von der Aussprache, die einfach nicht so über meine Lippen kommen will, wie ich es gerne hätte. Ich höre, was mein Lehrer zu uns sagt, ich kann es förmlich richtig in meinem Kopf wiedergeben, aber sobald ich den Mund aufmache, kommen irgendwelche schrägen Laute heraus, die mit der schwedischen Sprache selbst mit viel Fantasie nicht sehr viel zu tun haben.
Nun gibt es Menschen, die sich mit „ungefähr richtig“ und „hauptsache man versteht mich“ zufrieden geben, aber jeder, der mich kennt, wird bestätigen, dass ich nicht zu diesen Menschen gehöre. Vor allem wo mein gutes Sprachgefühl bisher immer eine der Stärken war, auf die ich immer besonders stolz war. Deshalb arbeitet diese Niederlage in mir. Ununterbrochen. Und ich fürchte, bevor ich nicht die richtige Mundstellung gefunden habe, um diese Sprache wiederzugeben, werde ich keine Ruhe mehr finden. Und so lange werde ich durch Wien laufen und Sätze wie Jag heter Belle. Varifrån kommer du? Jag kommer från Osterike vor mich hinbrabbeln – und mich den verwunderten Blicken der Passanten stellen.
Die vielen Facetten
Ich langweile mich. Es ist natürlich nicht so, dass mich mein Arbeitsalltag nicht ausreichend auf Trab hält, meistens jedenfalls, aber ich habe in letzter Zeit immer stärker das Gefühl, dass mein Geist nicht ausreichend gefordert wird. Mir fehlt es, etwas zu kreieren, zu schaffen und mich auf etwas voll und ganz zu konzentrieren. Mich intensiv mit etwas auseinanderzusetzen, zu recherchieren, Gedanken zu strukturieren und sie weiterentwickeln. Auch wenn ich von der Ferne betrachtet auch in meiner Arbeit etwas kreiere und bis zu einem gewissen Grad kreativ sein kann, aber im Grunde genommen erfinde ich das Rad nicht neu. Ich entwickle vielleicht manchmal vorhandene Konzepte weiter und kann hier vielleicht bis zu einem gewissen Grad ein wenig von meinen Ideen einbringen, aber seien wir ehrlich: In den meisten Fällen bewege ich mich auf abgegrastem Terrain.
Ich war schon immer sehr vielseitig interessiert, wollte alles ausprobieren, alles mal gesehen haben und natürlich in allem gut sein. Als Kind wollte ich Primaballerina werden, dann Musicalstar, dann Turnierreiterin, dann Schauspielerin, zwischenzeitlich auch Modedesignerin und Innenarchitektin. Um ehrlich zu sein, hegte ich manche dieser Träume sogar noch, als ich schon längst an der Wirtschaftsuniversität studierte.
Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte sie nicht manchmal hinterfragt. Mich gefragt, ob ich tatsächlich nach meinem inneren Kompass dieses Studium gewählt hatte oder einfach einen sicheren, vorgegebenen Weg eingeschlagen hatte. Natürlich sollte ich später herausfinden, dass auch ein Wirtschaftsstudium auch keine „g’mahte Wiesn“ ist, wie man so schön sagt, aber im Endeffekt habe ich meine Studienzeit sehr genossen, habe die sich mir bietenden Möglichkeiten genutzt, habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und teilweise mich auch mit einer gewissen Begeisterung vielen Fächern gewidmet. Aber ich habe auch gelernt, dass das alleine nicht ausreicht, dass ich im Grunde meines Herzens die Kreativität und die Entfaltung brauche. Ich brauche auch eine Welt abseits von Struktur, Analytik, Zahlen und Erfolgsorientierung. Eine Welt in der tatsächlich der Weg das Ziel ist.
Ohne es bewusst wahrzunehmen, war bis zu einem gewissen Grad der Journalismus neben meinem Studium mein Ausgleich. Danach gab es eine Zeit, in der meine ganze Energie in meine Karriereplanung ging - eine aufreibende und sehr energieraubende Zeit, in der ich mich im Nachhinein betrachtet mehr von meinem wahren ich entfernt habe, als je zuvor in meinem Leben.
Kürzlich spürte ich sie jedoch wieder: diese Sehnsucht nach kreativer Entfaltung, danach etwas zu erschaffen, das einen Teil von mir in sich trägt. Daher freue ich mich umso mehr auf meinen Fotografie-Kurs, der nächste Woche beginnt.
Rosarote Träume
Beim dritten Versuch akzeptierte das blöde Ding endlich meine Magnetkarte und ein „klick“ gab den Weg in mein Hotelzimmer für die nächsten 2 Tage frei. Ich freute mich darauf mich einfach nur kurz auf mein Bett fallen zu lassen, einfach für 2 Minuten tief durchatmen bis ich wieder in die Lobby zum Treffen mit meinen Arbeitskollegen musste.
Ich hatte einen harten Tag, nein, eine harte Woche hinter mir und der Gedanke an diesen Firmenworkshop löste in mir in etwa den gleichen Grad der Euphorie aus wie das Ausfüllen meiner Steuererklärung. Im Büro wartete tonnenweise Arbeit auf mich, Deadlines mit Agenturen und Druckereien, die ich durch meine Abreise nicht würde einhalten können und überhaupt fühlte ich mich ganz und gar nicht in der Lage, die nächsten Tage vom Frühstück bis zum Schlafen gehen ein ich-freu-mich-ja-so-hier-sein-zu-dürfen-und-meine-kollegen-und-chefs-mal-von-einer-ganz-anderen-seite-kennen-zu-lernen Gesicht aufzusetzen.
Als ich das Licht in meinem Zimmer aufdrehte haute es mir jedoch die Augen ein. Pink wohin das Auge reicht, in jeglichen Helligkeitsgraden und Schattierungen – von schweinchenrosa bis Magenta. Ich traute meinen Augen nicht. Ich war in einem Vier-Sterne-Hotel, nicht in irgendeinem Südstaaten-Bordell, was also sollte das. Das Himmelbett war rund und umgeben von einer Spiegelreihe, die nur durch ein Fenster, dass in mein Bad, genauer gesagt in meine riesige Eckbadewanne blicken ließ. Über einer kitschigen (schweinchenrosa) Kommode hängte ein Casablanca-Filmplakat, das – Überraschung – in Pink leuchtete.
Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Las Vegas unmöglich in einer guten Stunde mit dem Auto von Wien aus erreichbar ist, hätte ich geschworen, M war, während ich auf der Rückbank friedlich vor mich hinschlummerte, irgendwo falsch abgebogen.
Plötzlich überhaupt nicht mehr müde, zückte ich natürlich sofort Handy und Digicam, um diese Ausgeburt eines offenbar betrunkenen Innenarchitekten für die Nachwelt und vor allem für meine Freunde daheim festzuhalten.
Von meinen Kollegen erntete ich zunächst einen „Jetzt fängt sie auch noch an, zu halluzinieren“-Blick auf die Frage „Sind eure Zimmer auch so rosa?!“, doch nachdem ich den Beweis angetreten war und kurzerhand eine Führung für die anderen organisierte, sah ich nur mehr in Gesichter – irgendwo zwischen Belustigung und Entsetzen.
Kurz vor der Abreise sollte ich jedoch herausfinden, dass ich in der Honeymoon-Suite gelandet war. Irgendjemand in diesem Hotel hatte offenbar einen besonderen Sinn für Humor, ausgerechnet MICH in der Honeymoon-Suite einzuquartieren. Ich, die von einer Hochzeit etwa so entfernt ist, wie Paris Hilton der öffentlichen Bücherei.
Aber – vielleicht lag es an der Bergluft oder auch an den Aperol-Spritzern, die ich mir davor reimgezwitschert hatte – geschlafen habe ich wie ein Baby.
Wiederbelebung
Wenn man seinen Blog so lange vernachlässigt hat wie ich, kommt irgendwann der Punkt, an dem man gar nicht mehr so genau weiß, wie man eigentlich wieder einsteigen kann oder mit welchem Eintrag man überhaupt starten soll.
Um aber weitermachen zu können, sollte ich vielleicht ein kurzes Update geben, was in den letzten Wochen so passiert ist.
- Die neue Wohnung ist nach wochenlangem Bohren, Schrauben, Hämmern und Schleppen endlich wohnlich. Nicht zu vergessen meine Obsessionen mit Einrichtung und allem, was damit zu tun hat, den fast täglichen Trips zu IKEA, Interio, Kare und allen möglichen Einrichtungsmagazinen – persönlich oder online.
- Der neue Job ist manchmal stressig und aufreibend, hin und wieder frustrierend, kräftezehrend und herausfordernd, aber im Großen und Ganzen schlage ich mich glaube ich die meiste Zeit ganz gut.Die letzten Wochen waren so aufreibend, dass ich mir manchmal selbst gar nicht mehr sicher war, wo ich überhaupt stehe und was ich davon halten soll. Ich habe ständig damit gerechnet, irgendwann wieder so was wie Bodenhaftung in diesem Schleudergang, der sich Leben nennt, zu bekommen, aber irgendwie bin ich mir nicht mehr sicher, ob das jemals eintreten wird und – viel wichtiger – ob ich das überhaupt will. Oder ob ich vielleicht aufhören sollte, mich von jeder Veränderung verunsichern zu lassen und einfach Vertrauen in die Zukunft haben sollte. Ist natürlich leichter gesagt, als getan, aber zumindest wären wir damit schon bei meinem wichtigsten und eigentlich einzigen Neujahrsvorsatz.
Der samstägliche Albtraum hat einen Namen: IKEA
Wenn es um’s Shooping geht, bin ich normalerweise sehr hart im nehmen. So ungeduldig und reizbar ich bei so manchen anderen Dingen bin, wenn es um mein Einkaufsvergnügen geht, halte ich so einiges aus. Die einzige Situation, in der in ein Geschäft, ja sogar ein ganzes Einkaufsviertel war in Paris, an dem Tag an dem der offizielle Winterschlussverkauf begonnen hat. Ein Erlebnis, das ich nicht so gern wiederholen möchte – so verbilligt kann nichts sein, damit ich mich diesem Wahnsinn aus rabiaten Japanerinnern, die alles niedermähen, was sich zwischen ihnen und ihre Gucci-Tasche stellt, jemals wieder aussetzen würde. Wie auch immer, ich hatte naiverweise gedacht das wäre bereits der Gipfel des Irrsinns, tja, das war bevor ich IKEA am Samstag kennen gelernt habe.
Blöderweise geht es ca. 10 Millionen Österreichern, Ungarn, Slowaken und Tchechen genauso wie mir, und zwar, dass sie unter der Woche arbeiten müssen und daher nur am Samstag wirklich Zeit haben, sich um die stilgemäße Einrichtung ihrer eigenen vier Wände zu kümmern. So kommt es, dass ich jede Woche, wenn der Samstag naht, wahrhaftig Bauchkrämpfe bekomme, bei dem Gedanken, was mir wieder einmal bevorstehen wird. Ganz besonders vergangenen Samstag, als ich meine Küche abgeholt hatte und daher etwa 781 Einzelteile aus der Selbstbedinungshalle holen und diese dann in einen großen Transporter – der vorher auch noch geparkt werden musste – laden musste.
Ich muss wohl nicht dazusagen, dass an weggehen vergangenes Wochenende gar nicht zu denken war. Meine Laune hat sich erst gebessert, als ich am Sonntag Nachmittag mit S., meinem Papa und der Sisterella an meinem Esstisch gesessen bin, vor uns zwei Familienpizze, und stolz begutachtete, wie weit wir gemeinsam an nur einem Nachmittag gekommen waren. Auf dem gegenüberliegenden Dach lag noch Restschnee und die Straße wirkte noch idyllischer als sonst. Ich habe so ein Glück, so ein wunderes Plätzchen mitten in der Stadt gefunden zu haben. Und ich weiß, sobald ich diese Wohnung nicht mehr jedes Mal mit Rückenschmerzen verlassen muss, werde ich das noch mehr zu schätzen wissen.
Binsenweisheiten
Ich stand auf der Leiter, die von meiner Schwester mehr oder weniger aufmerksam gesichert wurde, und arbeitete mich Schritt für Schritt immer höher hinauf. Ich beschloss besser nicht daran zu denken, ob die Leiter auf dem weichen Untergrund auch tatsächlich stabil stand und begann stattdessen, mich umzusehen, um herauszufinden, wo die schönsten Äpfel hingen. Die Herbstsonne blendete mich, während ich auf dem Apfelbaum im Garten meiner Großtante immer höher nach den besten Exemplaren langte, und mit einem Mal hatte ich so etwas wie eine Schlüsselerkenntnis: Sogar in der Natur kommt das Prinzip zu tragen, dass die schönsten und saftigsten Früchte jene sind, die am schwersten zu erreichen sind. Natürlich gibt es auch welche, die in Reichweite hängen, für die man nicht einmal eine Leiter braucht, aber um das Beste zu bekommen, muss man sich schon mehr anstrengen und seine Ängste und Zweifel überwinden.
Als ich später auf dem Heimweg aber einen Blick auf die Rückbank warf und die Steige voller wunderschöner, große Äpfel sah, wusste ich dass es die Schwindelgefühle, die Diskussionen mit meiner Schwester und das Harz, von dem ich am Abend Hände und Kleidung befreien würde müssen, definitiv wert war.
Ok ok, ich weiß, manchmal geht es wirklich mit mir durch und ich will hier auch nicht mit blöden Binsenweisheiten und Lebensphilosophien um mich werfen, aber ich kann auch nichts dafür, dass Jahreszeitenwechsel mich immer in so eine eigenartige Stimmung, die einer Mischung zwischen Nachdenklichkeit und Melancholie gleich kommt, versetzen.
Willkommen an der Hauptuni ….
… wo die Uhren scheinbar irgendwie anders gehen.
Heute um 13:48, als ich den Zentralen Informatikdienst der Uni Wien wegen eines Problems mit meinem Account anrufen wollte:
„Zentraler Informatikienst, Guten Tag, Sie rufen außerhalb unserer Öffnungszeiten an. Sie erreichen uns Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 16 Uhr und Donnerstag von 11 bis 18 Uhr. Vielen Dank!“ dann machte es Klick und dann kam nur mehr „Tüt, tüt, tüt, tüt,….“
Es geht doch nichts über einen kompetenten Kundendienst … Da weiß man wenigstens, wo die Studiengebühren hinwandern, nämlich garantiert nicht in den Service für Studenten.
Ich will ja gar nicht erst anfangen, was ich die letzten Wochen noch alles mitgemacht habe, seit ich in einem Anflug geistiger Umnachtung beschlossen habe, wenn ich schon zwecks Doktorat an die WU zurückkehre, könnte ich doch einfach spaßhalber etwas Geisteswissenschaftliches nebenher studieren. Der Spaß ist mir allerdings spätestens dann vergangen, als ich zum 27.Mal in der Warteschleife des Student Point gehangen und dann wenig später mit einer Nummer in der Hand am kalten und feuchten Steinboden zwischen 300 anderen Studienanfängern gesessen bin und darauf gewartet habe, endlich beim Referat für Studienzulassung dranzukommen.
„Na dann warte erst einmal, was dich alles erwartet, wenn du erst einmal tatsächlich ANFÄNGST zu studieren“, warnt mich A schon einmal vor, als ich ihr – voller Erwartung für ein wenig Mitleid – von meiner Odyssee erzähle.
Na das sind ja tolle Aussichten.
Am Rande des Wahnsinns
Mach, dass es aufhört!
Wie ein Säbel bohrt sich das Geräusch der Schleifmaschine seit nun 4 Tagen fast ununterbrochen in meinen Kopf. Es ist, als ob es Riesen-Zahnarzt dem Karies eines Riesen-Patienten, der sich nach geschätzten 25 Jahren, die seit seinem letzten Zahnarztbesuch vergangen waren, nun wieder einmal zu einem Besuch durchgerungen hatte, den Kampf angesagt hatte.
Ich gehöre so schon eher zu der nervöseren Spezies, sprich ich bin generell von einer gewissen inneren Unruhe geplagt, die, so vermute ich, daher rührt, dass ich es kaum schaffe, richtig abzuschalten und mich einmal ruhig hinzusetzen. Meistens mache ich fünf Sachen gleichzeitig, eine immer länger werdende „To-Do“-Liste erinnert mich noch dazu unaufhörlich daran, was ich mir noch alles bis vorgestern vorgenommen hatte, dazu kommen dann noch meine Gedanken, in denen ich so sehr versinken kann, dass ich besonders anfällig für Sachen wie, vergessen bei der richtigen U-Bahn-Station auszusteigen, die richtige Autobahn-Ausfahrt zu nehmen oder dergleichen.
Daher kann mich so etwas wie ein penetranter Riesenbohrer wahrhaftig an den Rande des Wahnsinns treiben. Alle Versuche – von einem Glas Wein bis zur Beruhigungszigarette – blieben bisher erfolglos und ich befürchte, es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis ich irgendwann einmal hysterisch kreischend dastehe und mich aufführe wie ein Psycho.
Wer meldet sich freiwillig? Wer holt mich hier raus?!
Anm.: Bevor Ihr auf falsche Gedanken kommt, der Lärm ist keine kranke Erfindung von mir, sondern kommt daher, dass derzeit Instandhaltungsarbeiten an unserem Haus gemacht werden.





