Rastlos

In letzter Zeit stehe ich irgendwie komplett neben mir. Ich verbringe jede freie Minute damit von Möbelhaus zu Möbelhaus zu tingeln und wenn diese dann irgendwann doch zusperren, gehe ich bis spät in die Nacht Kataloge durch, die ich sicherlich alle bereits zigtausend mal durchgeblättert habe, in der Hoffnung, vielleicht doch irgendetwas Interessantes übersehen zu haben. Von meiner zukünftigen Küche existieren bereits 27 Versionen – und ein Ende ist nicht abzusehen, denn noch immer traue ich mich nicht sie endgültig zu bestellen – aus lauter Angst ich könnte etwas übersehen haben, ein besseres Angebot, eine bessere Kombination der Kasteln, usw.

Ich wälze mich nächtelang schlaflos im Bett mit der Frage im Kopf, ob ich mir einen Kühlschrank nehmen soll, der nach rechts oder doch lieber nach links öffnet. Und werden die Sofas zu viel Platz im Wohnzimmer wegnehmen? Wie groß muss eine begehbare Garderobe eigentlich sein und wo bitteschön passt ein Bücherregal am besten hin? Welche Bilder sollen auf welcher Wand hängen und ist es ein Faux Pas unterschiedliche Holztöne in den gleichen Raum zu lassen?

Ich habe mich in meinen schlimmsten Albtraum verwandelt und weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Ich wollte relaxed an das ganze herangehen. Meine neue Wohnung genießen und mir keinen Stress mit dem Einrichten machen, mir Schritt für Schritt meine Traumwohnung gestalten, also woher kommt diese innere Unruhe und Rastlosigkeit, die mich befallen hat, seitdem ich meine Unterschrift unter den Mietvertrag gesetzt habe und seitdem nicht mehr loslässt? Ich will wieder durchschlafen, entspannen und mich auf andere Dinge als Einrichtung konzentrieren können – aus das Buch zum Beispiel, das ich seit 3 Wochen tagtäglich mit mir herumschleppe, ohne auch nur eine einzige Seite gelesen zu haben!

November 5, 2007. Obsessionen. Kommentieren.

See ya!

Zufällig las ich, dass mein absoluter Lieblingseissalon „Tichy“ mit Ende des letzten Monats in die Winterpause geht.

Ich gehe eigentlich sehr selten wirklich Eisessen, aber wenn man plötzlich mit Verlustängsten konfrontiert wird, kann man plötzlich gar nicht anders, als sich nach dem Objekt, das man im Begriff ist zu verlieren (und sei es nur für ein paar Monate), zu verzehren.

In meinem Fall war das ein riesiger Pina Colada -Eisbecher mit der besten Schokoladesauce der Welt und viel Schlagobers und getrockneten Ananas. Darunter findet sich außerdem noch eine Tonne Kokoseis, das, wenn man sich mal durch den Wahnsinn aus Schokolade und Schlag gearbeitet hat, direkt „light“ schmeckt.

Obwohl ich das Eis nicht einmal zur Hälfte aufgegessen hatte, hatte ich es bis fast an die Grenze der Übelkeit geschafft. Die Betonung liegt jedoch auf FAST, denn selbst jetzt läuft mir bei dem Gedanken an das große Fressen (bei dem ich übrigens in bester Gesellschaft von S. war, die meine Neigung zum Zuckerhigh teilt) läuft mir noch immer das Wasser im Mund zusammen.

Aber glücklicherweise habe ich noch ein paar Stücke meiner Eistorte, die ebenfalls noch vor der Winterpause retten konnte, die mich über den Verlust vorerst hinwegtrösten können.

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Oktober 11, 2007. Obsessionen. Kommentieren.

Immer nur der Nase nach

Als ich jünger war, hatte ich eine Phase, in der ich besessen von Weichspülern war. Der Geruch frisch gewaschener Wäsche hat noch immer eine ganz besondere Anziehung auf mich, aber mittlerweile hat hier doch die Vernunft gesiegt, die mir in Hinblick auf meine Anfälligkeit auff Hautallergien sagt, dass es besser ist, Weichspüler, wenn überhaupt, nur sehr sparsam zu dosieren. Aber damals war mir das alles egal. Dosierungshinweise auf der Flaschenrückseite und gebetsmühlenartiger Belehrungen von meiner Mutter zum trotz, konnte meine Wäsche gar nicht stark genug duften.

Eines hat sich damals allerdings herauskristallisiert und daran hat sich bis heute nichts geändert: meine Obsession, wenn es um Gerüche geht. Der Spruch „jemanden riechen zu können“ trifft bei mir also voll ins Schwarze. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass es auch die gut riechenden Männer sind, die mir regelmäßig den Kopf verdrehen und die Schmetterlinge zum fliegen bringen.

Als ich heute nach dem Training die Garderobe meines Fitnessstudios betrat, fiel mir daher auch sofort auf, dass meine Nase nicht den üblichen Mix aus Duschgel- und Schweißgeruch wahrnahm, sondern ein unglaublich gut riechendes Parfum, mit dem sich offensichtlich kurz zuvor – zugegebenermaßen, gemessen an der Duftwolke, die im Raum hing, etwas zu großzügig – eingesprühlt hatte. Ich blickte mich um, um vielleicht den Ursprung ausfindig zu machen, aber außer mir war niemand hier. Ich blieb eine Zeit lang stehen, um vielleicht herauszufinden, um welches Parfum es sich handelt, denn irgendwie kam es mir bekannt vor, als ob ich es schon irgendwo oder an irgendwem gerochen habe, aber ich komme nicht drauf wo.

Ich weiß genau, dass ich bei nächster Gelegenheit wieder einmal einer Parfumerie einen Besuch abstatten muss und bis dahin wird mich die Sache sicher nicht in Ruhe lassen. Das ist, als ob man ein Lied im Radio hört und weder Titel noch Interpreten kennt. Allerdings hat man da wenigstens eine Chance, das Rätsel zu lösen, indem man jemandem die Melodie vorsummt oder sich einige Bruchteile des Textes merkt, um anhand dessen später den Titel zu identifizieren.  Aber wie bitteschön erklärt man einer Parfumerieverkäuferin einen Duft so, dass sie das dazugehörige Parfum wiedererkennt?

September 13, 2007. Obsessionen. Kommentieren.

Kitschig geht die Welt zugrunde

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Wenn man manche Menschen nach ihrer Lieblingsfarbe fragt, bekommt man die Antworten „Schwarz“, „Weiss“, „Grau“, „Beige“ oder sonst irgendetwas in der Art (wobei Schwarz und Weiss eigentlich nicht einmal wirklich Farben im eigentlichen Sinn sind). Ich kenne tatsächlich sehr viele, die bei allem, was sie sich kaufen, zuerst zu den Stücken in Schwarz, Weiß oder Chrome greifen – egal, ob es sich um etwas zum Anziehen oder einen Einrichtungsgegenstand handelt. Ich persönlich liebe Pink. Abgesehen von meiner Kleidung hat auf mich alles, was pink oder bunt ist einfach wahnsinnige Anziehungskraft – gestreift, getupft, gefleckt – tief in mir drinnen bin ich ein Kind des Pop Art. Deshalb finde ich es umso cooler, dass sich eine 50-jährige Bekannte meiner Eltern zu ihrem Geburtstag rosa Golfbälle mit ihren Initialen darauf wünscht. Was auf den Fotos nicht zu erkennen ist: die Bälle schimmern sogar in Perlmutt! Es gibt also doch noch Hoffnung, dass das Leben, auch wenn man schon beim Golf spielen angekommen ist, noch Raum für Extravaganzen der etwas anderen Art bietet.

September 7, 2007. Obsessionen. Kommentieren.

Der Teenager in mir

Mein Name ist Belle und ich bin ewiger Teenager. Ja, ich weiß, Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung – obwohl ich gar nicht so sicher bin, ob ich daran etwas ändern möchte.

Heute morgen ist mir das wieder einmal bewusst geworden, als ich die erste Folge O.C. California gesehen habe und festgestellt habe, dass ich es noch immer liebe. Habe ich erwähnt, dass ich schon immer einen Faible für Serien à la Beverly Hills 90210, Melrose Place, Friends, etc. und Filme wie Clueless, Natürlich Blond und alles mit Freddie Prince Jr. hatte? Ja, ich geb’s zu, ich stecker voller Kitsch und Klischees, denn auch wenn sie heute The O.C., Sex and the City, Gilmore Girls, Desperate Housewives, Nip/Tuck und natürlich – der Gipfel der Obsession – Grey’s Anatomy heißen … das Prinzip ist das gleiche.

Bevor jetzt der große Aufschrei von wegen „Was für eine hohle Nuss“ und „Intelligenzquotient, der die Zimmertemperatur nicht übersteigt“ kommt, möchte ich bitte klarstellen: Ich besitze durchaus auch Tiefe – nicht nur was Filme und Serien betrifft, und ich lege sehr viel Wert darauf auch meinen Horizont zu erweitern, aber ich habe auch kein Problem damit zuzugeben:

Ich bin 25-jährige Akademikerin und komme mir überhaupt nicht blöd dabei vor, mit meinen Freundinnen über die neuesten Entwicklungen rund um Meredith und Derek, Rory und Logan oder Summer und Seth zu diskutieren.

Denn oft ist das wirkliche Leben kompliziert und real genug, sodass ich mich manchmal einfach den Oberflächlichkeiten der Welt hingeben muss, um mein emotionales Gleichgewicht beizubehalten.

August 23, 2007. Obsessionen. Kommentieren.

MEIN Weihnachtsmann kommt manchmal auch im Sommer

laredoute2.jpgUnerträglich lautes Klingeln riss mich heute früh jäh aus meinem Schönheitsschlaf. Komplett aus dem Konzept gebracht brauchte ich einige Zeit, bis ich realisierte, dass das Läuten nicht von einem Wecker, sondern von der Tür kam – meiner Tür um genau zu sein. Auch wenn ich noch nicht so weit war, die Uhrzeit als Ganzes geistig zu erfassen – der Blick auf den Radiowecker auf dem Nachttisch zeigte an der ersten Stelle eine „7“ an – rang ich mich schlussendlich doch dazu durch, nachzusehen, wer der Störenfried war, der es wagte, mich zu dieser unchristlichen Zeit zu belästigen. Der gestrige Abend mit J hatte seine Spuren hinterlassen und ich fragte mich, ob es tatsächlich Leute gab, die vom schlafen schöner werden.

Ich taumelte also schlaftrunken in Richtung Eingangstür und warf vorsichtshalber noch einen Blick in den Vorzimmerspiegel – oben herum: Tank Top – Check, unten herum: Hotpants – ein bissi kurz geraden, aber was soll’s – Check – und öffnete die Tür.

Tadaaaahhh! Was erblickten meine müden Augen: Ein etwas irritierter Postbote hielt mir ein Packet/Plastiksackerl-Etwas, auf dem der „La Redoute“-Schriftzug ragte, vor die Nase. Das nenne ich einen guten Start in den Tag! Gar nicht mehr böse ob der Störung Mitten in der Nacht, malte ich meine drei XXX auf das Gerät, das der gelbe Mann mir hinhielt, und nahm meinen Schatz in Empfang.

Meinem ursprünglichen Instinkt kehrte ich auf der Stelle in mein Bett zurück, um dort weiterzumachen, wo ich zuvor aufgehört hatte, doch sobald ich meinen Kopf auf den Polster gelegt hatte, war klar, dass an schlafen jetzt nicht mehr zu denken war. Wie ein kleines (amerikanisches) Kind am Weihnachtsmorgen krallte ich mir das Packet/Sackerl-Etwas und fing sofort an, alles durchzuprobieren. (Habe außerdem herausgefunden, dass sich die Betrachtung von verschwommenen Körperkonturen – ich hatte meine Kontaktlinsen noch nicht eingesetzt – sich definitiv positiv auf die Selbstliebe auswirkt – nur so als Tipp.) Ich musste mir selbst gratulieren: Natürlich hatte ich längt vergessen, was ich vor Wochen im Rahmen eines spontanen Shopaholic-Anfalles am Sonntag bestellt hatte, aber mein Geschmack ist seitdem weitgehend konstant geblieben, was zur Folge hatte, dass ich mich um kurz nach 8 Uhr bereits mit einem schwerwiegenden Entscheidungsproblem konfrontiert sah.

Nachdem eine Lösung dieses Problems nicht in unmittelbarer Zukunft absehbar war, beschloss ich letztendlich doch auf ein altes Hausmittel zurückzugreifen: darüber schlafen.

August 17, 2007. Good Times, Obsessionen, Shopaholic. Kommentieren.

So versüsst man sich den Tag

TascheSelbst, wenn ich wollte, ich könnte es nicht genau erklären: Es gibt Tage, da wacht man auf und fühlt sich aus unerfindlichem Grund „unrund“. Es ist nicht so, als wäre etwas Schlimmes passiert oder stünde etwas Unangenehmes bevor, aber trotzdem ist da etwas, als ob sich bei strahlend blauem Himmel eine einzige Wolke genau über die Sonne legen würde und so geht es den ganzen Tag dahin, dass sich die Sonne kurzzeitig durchsetzen kann und kurzzeitig ins Strahlen kommt, aber immer wieder ist da diese Wolke, die den sonst eigentlich perfekten Sommertag stört.

Ungefähr kann man sich meinen heutigen Gemütszustand vorstellen.

Zur Krönung habe ich mir dann auch noch just nach meiner Pilates-Stunde bei einem Fast-Sturz in der Dusche meinen Rücken verrissen, weshalb auch das Nach-dem-Sport-Endorphin-Hoch nur sehr kurz anhielt.

Also, was bleibt einem da noch, als auf altbewährte Wundermittel gegen schlechte Laune zurückzugreifen: Genau, Mädels, ich wüsste ja, dass Ihr mich verstehen würdet!

Daher, voilà – mein neues Baby!

August 13, 2007. Obsessionen, Shopaholic. Kommentieren.