Was ich alles nicht verstehe(n will)… Teil I
M. und ich nippen an unseren Mojitos, als plötzlich ein Bekannter von ihr an unserem Tisch steht. Man stellt sich vor und der Bekannte, T., setzt sich an unseren Tisch um ein wenig mit uns zu plaudern. Der Gute kann mit knapp über 30 auf eine berufliche Laufbahn zurückblicken, von der so mancher anderer nur träumen kann. Mittlerweile sitzt er in einer Führungsposition eines großen Konzerns und so manche seiner Untergebenen könnten auch seine Eltern sein.
Abgesehen von seinem beruflichen Erfolg besitzt T. durchaus Charme, den er sichtlich bewusst einsetzt. Das Gespräch ist wider aller Erwartungen kurzweilig und lustig, nein, er gehört keineswegs zu der Sorte „egozentrisch und nervtötend snobistisch“ wie so mancher seiner Artgenossen. Später, als M. und ich wieder unter uns sind, kann ich natürlich nicht anders und frage sie über T. aus.
Neben einer bewegten Vergangenheit erfahre ich, dass er derzeit seine über-100-Quadratemeter-Innenstadt-Dachterassenwohnung mit einer slowakischen Kassiererin/Nebenberufsmodel teilt. Man lässt sich gerne bei diversen Events gemeinsam sehen, wobei M. nicht einmal genau sagen könnte, ob die Freundin überhaupt der deutschen Sprache mächtig ist, da Sprechen offensichtlich nicht in ihre Hälfte der Aufgabenteilung in der Beziehung fällt.
Damit war für uns schnell klar, was der Mann in einer Lebens(abschnitts)partnerin sucht. Kleiner Tipp: Der intellektuelle Gedankenaustausch wird’s vermutlich nicht sein.
Ich bin natürlich auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen und weiß, dass es derartige Beziehungen millionenfach gibt und das auch immer bis zu einem gewissen Grad so bleiben wird, aber ich werde nie verstehen, warum erfolgreiche Frauen in den meisten Fällen sehr wohl von einem Mann träumen, der sich intellektuell und erfolgsmäßig auf einer Wellenlänge mit ihnen befinden, aber während erfolgreiche Männer eher das komplette Gegenteil suchen.
Sicherlich ist das ein Thema über das man mehrere Bücher füllen könnte, aber eines ist klar: Das Ganze macht einer intelligenten (halbwegs) erfolgreichen Frau das Leben nicht gerade einfacher.
Beziehungskisten
Ich saß auf zwischen Freundin A und Bekannter I auf der Bank und nippte andächtig an meinem Vodka-Orange. Vor mir breitet sich durch die verglaste Wohnzimmerfront Wien bei Nacht aus. Wir befanden uns in I’s Wohnung, die sich im 15. Stock befand, was in Wien nicht viele von ihrer Wohnung behaupten konnten. Als ich mich umblickte, stellte ich fest, dass die Szenerie genauso gut als Location für eine ELLE-Decor Fotostrecke durchgehen würde, denn I hatte Dank Daddy’s großzügigem Sponsoring auf nichts verzichtet, was gut und teuer ist. Umso sympathischer macht es sie daher meiner Meinung nach, dass sie ihr Reich nicht nur Fotografen von obigem Magazin vorenthält, sondern keine Hemmungen hat, wilde Parties zu schmeißen und offensichtlich auch keine Angst um ihre weiße Sitzgarnitur hat, wenn gar nicht mehr ganz so nüchterne Gäste mit Zigarette in einer und Glas Rotwein in der anderen Hand wild gestikulieren. Ich bin ein Einrichtungsfetischist, eine Tatsache, die mich vorerst von etwas anderem, viel interessanterem ablenkte: Als ich meinen Blick nämlich von den Möbeln abwandte, fiel mir plötzlich auf, dass ich umgeben von lauter Ex-Paaren war. Und ich spreche hier nicht von „vor Ewigkeiten getrennt und weiterhin selber Freundeskreis“-Fällen, sondern von Paaren, die trotz offizieller Trennung noch immer so taten, als wären sie noch zusammen. Da sagt er zu ihr, sie soll sich Socken anziehen, weil es kalt draußen ist, als sie sich fertig zum weggehen macht, sie konfrontiert ihn wiederum vorwurfsvoll, dass er ihre Fliesen noch immer nicht verfugt hat und man fordert gegenseitig Anrufe am nächsten Tag nach dem Aufstehen ein.
Es ist nicht so, dass ich etwas gegen Post-Trennungs-Freundschaft hätte, im Gegenteil, ich war immer heiße Verfechterin der Meinung, dass man sich jemanden, der einmal so eine wichtige Rolle in einem Leben gespielt hat und mit dem einen einmal so viel verbunden hat, nicht einfach „hinausschneiden“ soll und kann, aber es gibt da meiner Meinung nach noch immer eine Trennung zwischen Freundschaft und Beziehung. Diskussionen über Hausarbeit oder Klamottenwahl, tägliche Anrufe: Beziehung; Ich frage mich, ob mir da irgendeine neue Entwicklung entgangen ist: ist es plötzlich normal mit seinem Ex-Freund drei Monate nach der Trennung gemeinsam auf Aufriss geht und der Ex am besten auch noch gleich nach dem Neuen einen liebevollen Anruf jeden Tag nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen bekommt? Ok, das ist jetzt vielleicht überspitzt, aber ist doch wahr. Oder hält man sich den Ex aus lauter Angst vor dem Leben in Freiheit noch auf lauwarm bis ein Neuer kommt, der einen aus dem Dilemma befreit?
Cupido im Vollrausch
Was machst du, wenn du einem umwerfenden Typen gegenüber sitzt, und ich meine hier nicht einfach einen, den du ganz hübsch findest, nein, ich rede hier von diesen ganz seltenen Momenten, in denen du jemandem begegnest, bei dem du sofort weißt: Der kann meine Welt auf den Kopf stellen. Seine Stimme jagt dir Schauer über den Rücken, die Art und Weise, wie er dich ansieht löst in deinem Bauch ein Gefühl aus, als würden kleine Gummibälle darin herumhüpfen und du verlierst jegliche Artikulationsfähigkeit. Deine Hände entwickeln plötzlich ein Eigenleben, als ob sie plötzlich nicht mehr richtig zum Rest deines Körpers gehören, du fährst dir ununterbrochen nervös durch die Haare und auch deine Stimme will nicht mehr so ganz wie du möchtest. Du piepst nur mehr unverständliches Zeug und überhaupt scheint nichts in deinem Körper mehr den Befehlen deines Gehirns zu folgen. „Been there, done that“, werden die meisten von euch vermutlich sagen.
Tja, glaub ich euch schon – aber was macht man, wenn einem das bei einem Vorstellungsgespräch passiert?!
Dann spielt sich das in etwa so ab:
Er: „Was reizt Sie an unserem Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle?“
Ich: „Also, na ja, mmhhmmm, ähh, besonders angesprochen haben mich die die Vielfalt der Aufgaben und (Diese Augen…) äääähmmm….. Identifikation mit Unternehmenskultur …(Ob er wohl eine Freundin hat…) mmmhhhm…. Entwicklungsmöglichkeiten …(Einer wie er, hat garantiert eine Freundin)…“
Er: „Was wissen Sie denn über unsere Branche?“
Ich: „Ähhhm, (F…., f….., f….. das wusste ich doch!!! Konzentrier’ dich, verdammt noch mal), also, die Branche ist vor allem geprägt durch…… (Wie das wohl wäre, ihm jeden Tag über den Weg zu laufen …) na ja, also, man kann sagen … (Bitte, lieber Gott, schenk mir ein Loch in das ich mich verkriechen kann – JETZT!!!)
Er: „Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?)
Ich: „Also, na ja, ich würde sagen …. (Ich möchte deine Kinder haben!!)
Nein, ich verliebe nie auf den ersten Blick und ich hatte auch noch nie irgendwelche Fantasien von wilden Äffären im Büro und überhaupt gehöre ich garantiert nicht zur Sorte Frau, die Männer nach der ersten Begegnung bespringen, also wie bitteschön konnte so was passieren? Und warum passieren die blöden Sachen immer ausgerechnet mir???
Ex
Zweifelhaft blicke ich in den Spiegel und begutachte kritisch meine Erscheinung. Nach langem Hin und Her zu Hause vor dem Spiegel hatte ich mich zuletzt doch für ein eher klassisches Outfit mit Jeans und schwarzes Shirt entschieden, lediglich einige gezielt gesetzte Akzente wie meine roten Pumps und die dazu passende kleine Tasche sowie rot lackierte Nägel lassen darauf schließen, dass ich nicht eigentlich vor hatte, einen ruhigen Kinoabend mit Freundinnen zu verbringen. Ich atme noch einmal tief durch und verlasse die Damentoilette um mich wieder durch das Getümmel auf der Tanzfläche zur Bar durchzudrängen, wo meine Freundin N. mit meinem Tequila Sunrise auf mich wartet. Trotz der Lautstärke unterhält sie sich gerade angeregt mit D. und F. über das deprimierende Dasein als Diplomandin, ein Thema, das auch ich allzu gut kenne, aber glücklicherweise vor einem knappen halben Jahr hinter mir gelassen habe. Im Augenwinkel sehe ich den Ex.
Ich hatte N. als moralische Unterstützung mitgenommen, denn der Ex hatte mich zu dieser Party, die er bzw. seine Firma veranstaltet, eingeladen und nun standen wir also hier und während sich N. offensichtlich prächtig amüsierte, war ich den ganzen Abend eher angespannt. Obwohl wir in den zwei Jahren, die wir nun bereits getrennt sind, immer mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt gehalten haben und uns auch in Freundschaft getrennt hatten, sind Situationen wie diese noch immer eigenartig für mich. Es ist eine Sache, wenn wir uns auf einen Kaffee treffen, über Gott und die Welt reden und dann wieder jeder seine eigene Wege geht, aber dies hier ist eine andere Sache. Ihn umgeben von seinen Freunden und Bekannten zu sehen, im Mittelpunkt des Geschehens und umgeben von flirtenden Frauen, die sich zu jungen, mehr oder weniger erfolgreichen Männern hingezogen fühlen, ist als Ex-Freundin definitiv gewöhnungsbedürftig.
Er wirkt selbstbewusst und gutgelaunt und ich komme nicht umher, darüber nachzudenken wie wir uns beide in den letzten Jahren weiterentwickelt haben. Ich war mehr oder weniger permanent unterwegs in der Weltgeschichte, während er mit einem Freund seine eigene Firma gegründet hat und ein beeindruckendes Netzwerk an Kontakten aufgebaut hat. Obwohl ich nichts bereue und in all der Zeit eigentlich niemals der Wunsch aufgekommen ist, meine Entscheidung, die Beziehung zu beenden, rückgängig zu machen, beneide ich ihn ein wenig, denn im Moment hat es den Anschein, als hätte ausgerechnet er, der niemals geplant, auf Ziele hingearbeitet oder sich über irgendetwas Sorgen gemacht hat, mehr erreicht, als er sich selbst jemals zugetraut hätte.
Im Augenwinkel sehe ich, wie er sich mit einer ausnehmend hübschen Blondine unterhält, die ihn flirtend anlächelt. Er sieht mich und zwinkert mir zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder seinem Gegenüber zuwendet, und ich meinem Mojito, den der Kellner in diesem Moment vor mir abstellt.
Chick lit und große Träume
Nach einer stressigen Woche habe ich beschlossen, den Sonntag so richtig zu genießen und habe ihn daher im Bett mit einem guten Buch verbracht. Bittersüße Schokolade hat mich so gefesselt, dass ich das Buch gar nicht mehr weglegen konnte.
Die Geschichte zieht einen sofort in einen Bann rund um mexikanische Kultur, die Magie der Kochkunst und die Macht der Leidenschaft und der unerfüllten Liebe, wobei man beim Lesen ständig zwischen faszinierender Kulinarik und impulsiver Leidenschaft hin- und hergerissen ist. Obwohl das ganze Thema rund um die Macht der Gefühle vielleicht manchmal ein wenig zu sehr überstrapaziert wird, kann man, wenn man an der letzten Seite angelangt ist, gar nicht anders, als den Rest des Tages in einem Zustand irgendwo zwischen Hunger und der plötzlichen Sehnsucht nach der ewig haltenden, vollkommenen Liebe zu verbringen.
In diesem Sinne habe ich beschlossen, den Abend mit einer Kanne Tee und der DVD „Viel Lärm Um Nichts“ ausklingen lassen.
Ja ja, ich weiß, man kann es in puncto Schnulzen und Romantik auch übertreiben, aber so bin ich eben. Tief in mir steckt nun einmal eine hoffnungslose Romantikerin.