Out of order

Ich weiß, ich weiß, in den letzten Tagen war ich wirklich seeeeehr nächlässig mit schreiben, aber ich habe wirklich gute Gründe:

- ein neuer Job

- Wohnungssuche

- Geburtstagsvorbereitungen

- Besuch von Freundinnen aus Deutschland

- Planlosigkeit und Entscheidungsschwäche ohne Ende

Ich verspreche aber hier offiziell und hoch und heilig: sobald ich sowas wie wieder den Durchblick in meinem Leben bekommen habe bzw. die Zeit und Ruhe habe, mich hinzusetzen und meine Gedanken an dieser Stelle zu ordnen und aufzuschreiben, werde ich das hier tun, großes Indianerehrenwort.

Aber bis dahin muss ich jetzt weiter zusammenräumen, denn morgen kommt meine Freundin S. und ich möchte nicht, dass sie bereits in den ersten 10 Sekunden, nachdem sie das Haus betreten hat, weiß, wie es im Moment in mir drinnen aussieht.

Oktober 10, 2007. Drama Queen, Working Girl. Kommentieren.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

czkochbuch.jpgHeute morgen erwartete mich eine positive Überraschung im Briefkasten: früher als erwartet fand ich das heiß ersehnte Kochbuch der wunderbaren Clotilde, deren Blog Chocolate & Zucchini ich liebe, vor. Ich kenne kaum ein Foodblog, das so inspirierend und sympathisch ist, wie dieses und Clotilde hat eine Gabe, ihre Faszination rund um das Kochen und Essen zu vermitteln, sodass man gar nicht anders kann, als auf „Print“ zu drücken, um das jeweilige Rezept auszudrucken.

Auch ihr Kochbuch, das ich natürlich sofort durchgeblättert habe, steht dem um nichts nach. Jedes Rezept erzählt eine Geschichte und das Buch ist vielmehr eine Hommage an Paris, die französische Küche und die unermessliche Auswahl an Lebensmitteln, die auf irgendeinem Pariser Markt darauf warten, zu genüsslichen Gerichten verarbeitet zu werden, als eine bloße Auflistung von Rezepten.

Aber vor allem liebe ich Clotildes Rezepte, weil wirklich JEDES erprobt wurde und daher auch tatsächlich umsetzbar ist, was, wie ich erst kürzlich wieder am eigenen Leibe erfahren durfte, alles andere als selbstverständlich ist.

Ihr erinnert euch doch sicherlich noch an meine Küchenfee-Projekte von letzter Woche? Ich hatte mich dazu entschlossen, ein Rezept aus einem Kochbuch, das ich während meines Praktikums in Paris gekauft hatte, auszuprobieren. Damals war ich besessen davon, wie eine echte Pariserin zu werden. Ich habe ihren Stil, ihre Werte und Einstellungen, Traditionen, die Art wie sie sich kleiden, ihre Wohnungen einrichten, ihre Taschen tragen, was sie lesen, welche Theaterstücke sie sehen, in welche Restaurants und Clubs sie gehen, wo sie ihre Freizeit verbringen, ja einfach alles studiert, jedes Detail war wie ein Puzzlestück, dass mich dieser faszinierenden Spezies näher brachte.

Ein Souvenir aus dieser Zeit ist jedenfalls ein dickes Kochbuch voller unglaublich leckerer französischer Desserts. Nicht, dass ich jemals eine Französin tatsächlich etwas Süßes essen gesehen habe, abgesehen vielleicht von ein bisschen gouter („probieren“), aber für mich repräsentieren diese Köstlichkeiten nichtsdestotrotz Paris wie es leibt und lebt. Ich habe kein einziges Mal wirklich gekocht, als ich in der französischen Metropole gelebt habe, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass meine Küche auch gute Chancen gehabt hätte, irgendwann einmal im Minimundus ausgestellt zu werden, aber ich bin mit jeder Menge Inspiration auf diesem Gebiet wieder zurückgekehrt, sowie auch mit ein paar Kilo mehr, als bei meiner Abreise, was zur Folge hatte, dass besagtes Buch nach meiner Rückkehr trotz aller guter Vorsätze für’s erste einmal ganz hinten ins Bücherregal gewandert ist.

Als ich letzte Woche beschlossen hatte, meine Küchenambitionen ein wenig zu fördern, stand für mich jedoch sofort fest, dass auch ein französisches Dessert dabei sein musste. Natürlich war mir klar, dass das ganze Unterfangen für jemanden mit meinen Küchenkenntnissen ein ungeheuerlicher Drahtseilakt werden würde, mich an etwas zu versuchen, was nicht „good old Jamie“ entspringt, aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen?

An dieser bin ich jedoch gescheitert. Obwohl ich mich wirklich an jeden Schritt des Rezeptes gehalten hatte, sicherheitshalber sogar ein Wörterbuch bereit gelegt hatte, um alle Unsicherheiten aus dem Weg räumen zu können, war das Ergebnis ein Matsch aus Mürbteig, Zitronencreme und Eischaum.

Zum Glück habe ich die genügsamsten Testesser auf der ganzen Welt, die kommentarlos den Matsch, der eigentlich eine Tarte au citron meringuée sein sollte, aus der Kuchenform gelöffelt und meine Bemühungen trotz allem anerkennend gelobt haben. Tja, die wissen halt, mit wem sie es zu tun haben.

September 6, 2007. Drama Queen, Rezepte. Kommentieren.

Abtauchen

Eigentlich mag ich den Herbst. Ich mag es, wenn die Tage langsam wieder kürzer werden, die Blätter sich langsam verfärben und sich die generelle Umbruchsstimmung breit macht, die langsam aber sicher den kommenden Winter ankündigen. Ich mag, dass sich wieder Gemütlichkeit in den eigenen vier Wänden breit macht und Teetrinken wieder in Mode kommt. Ich mag die Herbstmode, in der man sich den ganzen Tag wohltemperiert fühlt, im Gegensatz zur Winterkleidung – ich habe nämlich noch keine Handschuhe und keinen Wintermantel gefunden, in dem ich nicht trotzdem jeden Tag einen Kälteschock erlitten habe, als ich in der Früh das Haus verlassen habe. Und nicht zuletzt macht die Herbstsonne meiner Meinung nach einen wunderschönen Teint: Einerseits taucht sie die Landschaft in ein wunderschönes warmes Licht – anders als die grelle Mittagssonne im Sommer – andererseits sieht jeder umgeben von Bäumen und ihren bunten Blättern irgendwie besser aus.

Zur Zeit kommt in mir allerdings noch nicht die richtige Stimmung auf. Als ich heute in der Früh auf dem Weg zum Ausweisfotos machen war, machte sich ein stechender Schmerz in meiner rechten Kopfhälfte breit, den der kalte Wind, der mir um die Ohren wehte ausgelöst hatte. Im Fotostudio angekommen erlitt ich den ersten Schock, als ich mich im Spiegel kontrollierte und feststellte, dass meine Haare seitdem ich das Haus verlassen hatte eine ganz und gar nicht positive Wandlung durchgemacht haben und somit all der Aufwand mit dem Glätteisen und diversen Stylingprodukten, mit denen ich meine Naturwelle bearbeitet hatte, absolut umsonst waren. Verzweifelt versuchte ich zu retten, was noch zu retten war, aber irgendwann resignierte ich und wollte das alles nur noch hinter mich bringen.

Überraschenderweise sieht man mir auf den Fotos meinen Gemütszustand überhaupt nicht an, dafür sehe ich allerdings aus wie eine 13-jährige Klosterschülerin, die noch an Dinge wie den Weltfrieden oder die österreichische Neutralität glaubt. Da hätte ich gleich die Passfotos weiterverwenden können, die vor etwa 7 Jahren in der AHS von mir gemacht wurden und auf die ich bis jetzt zurückgegriffen habe. Nun dachte ich, dass es an der Zeit ist, sich ein Foto auf Ausweise zu kleben, auf dem man wenigstens annähernd seinem Alter entsprechend aussieht – ein Unterfangen, dass also richtig erfolgreich war.

Ich will euch die weiteren Stationen des heutigen Tages, die Dinge wie universitäre Bürokratie, Regen, Kälte, Nässe und das Vergriffensein meiner Lieblingszeitschriften umfassen, ersparen, aber eines steht fest: Es sind drastische Maßnahmen notwendig um das Seelenwohl wieder herzustellen. Der erste Schritt: heißer Kakao und sich mit einen guten Buch unter die warme Bettdecke kuscheln und die Welt für’s erste einmal aussperren.

September 5, 2007. Drama Queen. 2 Kommentare.

Briketts zum Lunch

Ich weiß, ich weiß, und es tut mir echt leid, dass ich so lange nicht geschrieben habe und ich möchte hier auch keine faulen Ausreden erfinden, sondern sagen, wie es ist: ich habe mich in letzter Zeit einfach echt uninspiriert, meistens auch eher gereizt, hin und wieder auch deprimiert, aber Großteils einfach nicht zum Schreiben aufgelegt gefühlt.

Projekt Küchenfee hat übrigens noch ganze 2 Tage nach Beginn durchgehalten, bevor es in die Herbstpause gegangen ist – Rezept und Foto (nur von den gelungenen Projekten natürlich) folgen – versprochen!

Wie schnell sich die Sache mit der Küchenkoryphäe allerdings ändern kann, habe ich heute erlebt, wo meine Verlorenheit ihren Höhepunkt erreicht hat, als ich meinen Lachs in Blätterteig (an und für sich zubereitungstechnisch original deppensicher mit Iglo-Garantie) 4,5 Stunden im Backrohr gelassen habe, weil ich irgendwie komplett drauf vergessen habe. Als ich dann so gegen 17.30 Uhr draufgekommen bin, dass ich so gegen 13 Uhr mein Mittagessen ins Backrohr geschoben hatte (Zubereitungszeit lt. Packung beträgt übrigens 15-20 Minuten), war mein erster Gedanke eigentlich, dass vermutlich bereits die Küche abgefackelt ist, ohne dass ich es mitbekommen habe, aber glücklicherweise konnte ich das Brikett, das in seinem früheren Leben einmal ein Tiefkühlgericht war, einfach ohne weitere Folgen entsorgen.

Ich weiß noch immer nicht, ob ich lachen oder mir Sorgen machen soll, über meinen derzeitigen Geisteszustand.

September 4, 2007. Drama Queen. Kommentieren.

Living on the Edge

Ich geb’s zu: Manchmal bin ich schon sowas wie eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen menschlichen Geschossen brauche ich allerdings kein Auto dazu, nein, beim Autofahren bin ich eigentlich gar nicht so schlecht, zumindestens könnte man das meinen, wenn man meine Unfallstatistik als Beweis heranzieht (0 Unfälle in 8 Jahren).

Aber als Fußgänger sieht die Sache schon wieder anders aus: Hier erkenne ich regelmäßig, wo meine Grenzen in Bezug auf Multi-Tasking liegen. Wie heute zum Beispiel, als ich vertieft in meinen Spiegel-Artikel auf dem Weg zum Augenarzt war. Die Stufen bei der U-Bahnstation, die rote Ampel beim Zebrastreifen, die Sesseln und Tische vor der Coffeeshop Company, ja sogar entgegenkommende Fußgänger – alles kein Problem, Hydranten, hingegen – gar nicht so einfach. Bevor ich wusste, was passiert wurde ich aus meiner Mafia-Story und The Killers-Dröhnung (hatte ich den Ipod erwähnt…?) gerissen, als mein Knie eine äußerst unsanfte Begegnung mit einem Hydranten hatte.

Ein riesiger blauer Fleck lässt mein Knie nun in den exotischten Farben leuchten und erinnert mich und Röcke sind für die nächsten Wochen sowieso von der Possible-Outfits-Liste verbannt. Das einzig Positive an der Geschichte ist, dass man als Unfallopfer den Rest des Tages ohne schlechtes Gewissen mit einem guten Buch auf dem Sofa verbringen darf, anstatt mich auf dem Laufband im Fitnessstudio abzuquälen. Und Schokolade essen. Gegen den Schock.

Die offizielle Version lautet übrigens, dass besagter Unfall NACH meinem Augenarztbesucht passiert ist, als ich vom Eintropfen noch verschwommen gesehen habe. Muss ja nicht jeder wissen, was für ein – wie meine Großtante so schön sagen würde – Patscherl ich manchmal bin.

August 21, 2007. Drama Queen. Kommentieren.

Auf all die coolen Dinge, die noch kommen werden

A: Prost, auf uns! Und auf all die coolen Dinge, die noch kommen werden!

Ich: Prost, auf deinen Optimismus!

A: Ach, komm, was kann uns besseres passieren? Wir sind jung, intelligent und single – und das heißt im Prinzip, dass uns die Welt offensteht! Jederzeit kann uns unser Traummann, Traumjob oder sonst irgendein Abenteuer über den Weg laufen und es gibt nichts und niemanden, der uns davon abhält unsere Chancen zu nutzen!

Als A und ich den lauen Sommerabend bei Mojitos im Palmehaus genießen, wird mir schlagartig klar: Eigentlich hat sie vollkommen Recht. Man hat diese Angewohnheit, sich immer nur darauf zu konzentrieren, was man alles NICHT hat. Wenn ich daran denke, wie viele Stunden ich darauf verschwende, mir darüber den Kopf zu zerbrechen, was ich alles noch nicht erreicht habe von dem, was auf der To-Do/Achieve-Liste meines Lebens steht, vergesse ich viel zu oft auf das, was ich alles schon erreicht habe und welche Möglichkeiten ich mir dadurch geschaffen habe.

Und selbst wenn man sich, wenn rund um einen herum die Welt langsam, aber sicher verspießert und einen glauben lässt, ohne zweite Hälfte wäre man tatsächlich nur ein halber Mensch, manchmal tatsächlich einredet, etwas würde fehlen, kann man sich am Ende des Tages doch glücklich schätzen, dass man selbstbewusst und unabhängig genug ist, sich mit nichts geringerem als dem Besten zufrieden zu geben.

Und bis das oder der Beste endlich auf der Bildfläche erscheint, kann man sich glücklich schätzen, wenn man Freunde hat, die einen immer wieder daran erinnern, auf was es im Leben wirklich ankommt und das verquerte Weltbild wieder ins Lot bringen, wenn es aus den Fugen geraten ist. Und Alkohol, nicht zu vergessen …

August 15, 2007. Drama Queen, Good Times. Kommentieren.