Jag talar svenska
Wenn Euch irgendwann in den Strassen von Wien eine junge Frau über den Weg läuft, die gedankenverloren uverständliches Zeug vor sich herbrabbelt (und nicht gerade aussieht wie eine Obdachlose), dann stehen die Chancen ganz gut, dass ich es bin.
Ich habe gerade angefangen, Schwedisch zu lernen. Und ich muss sagen, dass ich kaum eine andere Sprache gelernt habe, die ich von anfang an derart lustig und gefunden habe und gleichzeitig hat mich total der Ergeiz gepackt, diese Sprache richtig gut zu lernen.
Warum ausgerechnet Schwedisch? Wo ich doch bereits vor mehr als drei Jahren ein Semester dort verbracht habe und auch wieder nach Hause geflogen bin ohne auch nur einen Satz Schwedisch gelernt zu haben. Vielleicht ist genau die Frage nach dem langfristigen Nutzen auch der Grund, warum es trotz meiner Schweden-Faszination immer Dinge gegeben hat, die auf meiner Prioritäten-Liste weiter oben gestanden sind.
Außerdem gab es doch da noch all die anderen „coolen“ Sprachen, die ich doch auch perfektionieren wollte: Französisch zum Beispiel oder Spanisch. Nicht dass das besonders ausgefallene Sprachen wären, aber zumindest erstens weit verbreitet und zweitens in dern Augen der Allgemeinheit einfach sexier. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich nach meiner Zeit in Schweden fast ein Dreivierteljahr in Frankreich verbracht habe und auch wenn ich das alles nicht missen möchte und ich für immer eine ganz besondere Beziehung zu Paris haben werde, habe ich mich ehrlich gesagt nie so wohl dort gefühlt wie in Schweden. Trotz allem Savoir-vivre ist meine Faszination für Land und Leute bei Schweden viel ausgeprägter.
Daher habe ich beschlossen, allen fragenden Gesichtern zum trotz, Schwedisch zu lernen und ich muss sagen: Ich finde es toll. Abgesehen von der Aussprache, die einfach nicht so über meine Lippen kommen will, wie ich es gerne hätte. Ich höre, was mein Lehrer zu uns sagt, ich kann es förmlich richtig in meinem Kopf wiedergeben, aber sobald ich den Mund aufmache, kommen irgendwelche schrägen Laute heraus, die mit der schwedischen Sprache selbst mit viel Fantasie nicht sehr viel zu tun haben.
Nun gibt es Menschen, die sich mit „ungefähr richtig“ und „hauptsache man versteht mich“ zufrieden geben, aber jeder, der mich kennt, wird bestätigen, dass ich nicht zu diesen Menschen gehöre. Vor allem wo mein gutes Sprachgefühl bisher immer eine der Stärken war, auf die ich immer besonders stolz war. Deshalb arbeitet diese Niederlage in mir. Ununterbrochen. Und ich fürchte, bevor ich nicht die richtige Mundstellung gefunden habe, um diese Sprache wiederzugeben, werde ich keine Ruhe mehr finden. Und so lange werde ich durch Wien laufen und Sätze wie Jag heter Belle. Varifrån kommer du? Jag kommer från Osterike vor mich hinbrabbeln – und mich den verwunderten Blicken der Passanten stellen.
Auftanken
Ich bin gerne unter Menschen. Ja, ich bin sehr wohl gesellig und kommunikativ. Und dennoch sind es manchmal die Tage, die ich komplett alleine verbringe, die so wichtig für mein emotionales Gleichgewicht sind. Heute war so ein Tag.
Ok, er hat nicht ganz so optimal begonnen, als ich kurz nach acht panisch hochgeschreckt bin, im Glauben ins Büro zu müssen, aber auch dieses Missverständnis war bald geklärt und so genoss ich es umso mehr, mich noch einmal unter die Bettdecke zu kuscheln.
Später wanderte ich dann auf meine Couch, wo ich mich mit einem Latte Macchiato und einem guten Buch in meine Kuscheldecke wickelte. Und dort blieb ich. Abgesehen vom regelmäßigen Nachschub mit Kaffee und Mini-Zimtschnecken verweigerte ich jegliche Form von unangnehmen Tätigkeiten. Der Plan war eigentlich genau so den Rest des Tages zu verbringen, um Ruhe und Kraft für die kommende Arbeitswoche zu sammeln.
Seit Wochen habe ich mich nämlich nach genau so einem Tag gefreut. An dem ich mich einfach mal total zurückziehen kann und nur entspannen. Doch wie das nun einmal so ist mit großen Wünschen, eröffnet sich, wenn einmal erfüllt, gleich Neue. In meinem Fall war das ein Museumsbesuch, den ich mir bereits seit Ewigkeiten vorgenommen hatte.
Also beschloss ich mich doch für ein paar Stunden von meiner Couch zu trennen – und sollte diese Entscheidung nicht bereueen. Der Besuch in der Albertina war perfekt, ich fand nur wieder einmal heraus, wie kurz meine Aufmerksamkeitsspanne in Museen leider ist. Ich liebe Museen und möchte am liebsten alle Eindrücke, alle Informationen auf einmal in mir aufsaugen, aber leider ist genau das nach spätestens einer Stunde einfach zu viel. So sehr ich mich auch bemühe, irgendwann ist die geht es einfach nicht mehr.
Aber ich war glücklich und zufrieden. Und nutzte die Gelegenheit, wo ich schon einmal stand, und nahm mir eine Kanne grünen Tee mit auf den Weg zur Couch, auf der ich seitdem knotze und sobald ich dies hier fertig geschrieben habe, werde ich mich auch wieder in mein Buch vertiefen und danach hoffentlich in einen friedlichen Schlaf sinken.
Die vielen Facetten
Ich langweile mich. Es ist natürlich nicht so, dass mich mein Arbeitsalltag nicht ausreichend auf Trab hält, meistens jedenfalls, aber ich habe in letzter Zeit immer stärker das Gefühl, dass mein Geist nicht ausreichend gefordert wird. Mir fehlt es, etwas zu kreieren, zu schaffen und mich auf etwas voll und ganz zu konzentrieren. Mich intensiv mit etwas auseinanderzusetzen, zu recherchieren, Gedanken zu strukturieren und sie weiterentwickeln. Auch wenn ich von der Ferne betrachtet auch in meiner Arbeit etwas kreiere und bis zu einem gewissen Grad kreativ sein kann, aber im Grunde genommen erfinde ich das Rad nicht neu. Ich entwickle vielleicht manchmal vorhandene Konzepte weiter und kann hier vielleicht bis zu einem gewissen Grad ein wenig von meinen Ideen einbringen, aber seien wir ehrlich: In den meisten Fällen bewege ich mich auf abgegrastem Terrain.
Ich war schon immer sehr vielseitig interessiert, wollte alles ausprobieren, alles mal gesehen haben und natürlich in allem gut sein. Als Kind wollte ich Primaballerina werden, dann Musicalstar, dann Turnierreiterin, dann Schauspielerin, zwischenzeitlich auch Modedesignerin und Innenarchitektin. Um ehrlich zu sein, hegte ich manche dieser Träume sogar noch, als ich schon längst an der Wirtschaftsuniversität studierte.
Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte sie nicht manchmal hinterfragt. Mich gefragt, ob ich tatsächlich nach meinem inneren Kompass dieses Studium gewählt hatte oder einfach einen sicheren, vorgegebenen Weg eingeschlagen hatte. Natürlich sollte ich später herausfinden, dass auch ein Wirtschaftsstudium auch keine „g’mahte Wiesn“ ist, wie man so schön sagt, aber im Endeffekt habe ich meine Studienzeit sehr genossen, habe die sich mir bietenden Möglichkeiten genutzt, habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und teilweise mich auch mit einer gewissen Begeisterung vielen Fächern gewidmet. Aber ich habe auch gelernt, dass das alleine nicht ausreicht, dass ich im Grunde meines Herzens die Kreativität und die Entfaltung brauche. Ich brauche auch eine Welt abseits von Struktur, Analytik, Zahlen und Erfolgsorientierung. Eine Welt in der tatsächlich der Weg das Ziel ist.
Ohne es bewusst wahrzunehmen, war bis zu einem gewissen Grad der Journalismus neben meinem Studium mein Ausgleich. Danach gab es eine Zeit, in der meine ganze Energie in meine Karriereplanung ging - eine aufreibende und sehr energieraubende Zeit, in der ich mich im Nachhinein betrachtet mehr von meinem wahren ich entfernt habe, als je zuvor in meinem Leben.
Kürzlich spürte ich sie jedoch wieder: diese Sehnsucht nach kreativer Entfaltung, danach etwas zu erschaffen, das einen Teil von mir in sich trägt. Daher freue ich mich umso mehr auf meinen Fotografie-Kurs, der nächste Woche beginnt.
Rosarote Träume
Beim dritten Versuch akzeptierte das blöde Ding endlich meine Magnetkarte und ein „klick“ gab den Weg in mein Hotelzimmer für die nächsten 2 Tage frei. Ich freute mich darauf mich einfach nur kurz auf mein Bett fallen zu lassen, einfach für 2 Minuten tief durchatmen bis ich wieder in die Lobby zum Treffen mit meinen Arbeitskollegen musste.
Ich hatte einen harten Tag, nein, eine harte Woche hinter mir und der Gedanke an diesen Firmenworkshop löste in mir in etwa den gleichen Grad der Euphorie aus wie das Ausfüllen meiner Steuererklärung. Im Büro wartete tonnenweise Arbeit auf mich, Deadlines mit Agenturen und Druckereien, die ich durch meine Abreise nicht würde einhalten können und überhaupt fühlte ich mich ganz und gar nicht in der Lage, die nächsten Tage vom Frühstück bis zum Schlafen gehen ein ich-freu-mich-ja-so-hier-sein-zu-dürfen-und-meine-kollegen-und-chefs-mal-von-einer-ganz-anderen-seite-kennen-zu-lernen Gesicht aufzusetzen.
Als ich das Licht in meinem Zimmer aufdrehte haute es mir jedoch die Augen ein. Pink wohin das Auge reicht, in jeglichen Helligkeitsgraden und Schattierungen – von schweinchenrosa bis Magenta. Ich traute meinen Augen nicht. Ich war in einem Vier-Sterne-Hotel, nicht in irgendeinem Südstaaten-Bordell, was also sollte das. Das Himmelbett war rund und umgeben von einer Spiegelreihe, die nur durch ein Fenster, dass in mein Bad, genauer gesagt in meine riesige Eckbadewanne blicken ließ. Über einer kitschigen (schweinchenrosa) Kommode hängte ein Casablanca-Filmplakat, das – Überraschung – in Pink leuchtete.
Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Las Vegas unmöglich in einer guten Stunde mit dem Auto von Wien aus erreichbar ist, hätte ich geschworen, M war, während ich auf der Rückbank friedlich vor mich hinschlummerte, irgendwo falsch abgebogen.
Plötzlich überhaupt nicht mehr müde, zückte ich natürlich sofort Handy und Digicam, um diese Ausgeburt eines offenbar betrunkenen Innenarchitekten für die Nachwelt und vor allem für meine Freunde daheim festzuhalten.
Von meinen Kollegen erntete ich zunächst einen „Jetzt fängt sie auch noch an, zu halluzinieren“-Blick auf die Frage „Sind eure Zimmer auch so rosa?!“, doch nachdem ich den Beweis angetreten war und kurzerhand eine Führung für die anderen organisierte, sah ich nur mehr in Gesichter – irgendwo zwischen Belustigung und Entsetzen.
Kurz vor der Abreise sollte ich jedoch herausfinden, dass ich in der Honeymoon-Suite gelandet war. Irgendjemand in diesem Hotel hatte offenbar einen besonderen Sinn für Humor, ausgerechnet MICH in der Honeymoon-Suite einzuquartieren. Ich, die von einer Hochzeit etwa so entfernt ist, wie Paris Hilton der öffentlichen Bücherei.
Aber – vielleicht lag es an der Bergluft oder auch an den Aperol-Spritzern, die ich mir davor reimgezwitschert hatte – geschlafen habe ich wie ein Baby.
Wiederbelebung
Wenn man seinen Blog so lange vernachlässigt hat wie ich, kommt irgendwann der Punkt, an dem man gar nicht mehr so genau weiß, wie man eigentlich wieder einsteigen kann oder mit welchem Eintrag man überhaupt starten soll.
Um aber weitermachen zu können, sollte ich vielleicht ein kurzes Update geben, was in den letzten Wochen so passiert ist.
- Die neue Wohnung ist nach wochenlangem Bohren, Schrauben, Hämmern und Schleppen endlich wohnlich. Nicht zu vergessen meine Obsessionen mit Einrichtung und allem, was damit zu tun hat, den fast täglichen Trips zu IKEA, Interio, Kare und allen möglichen Einrichtungsmagazinen – persönlich oder online.
- Der neue Job ist manchmal stressig und aufreibend, hin und wieder frustrierend, kräftezehrend und herausfordernd, aber im Großen und Ganzen schlage ich mich glaube ich die meiste Zeit ganz gut.Die letzten Wochen waren so aufreibend, dass ich mir manchmal selbst gar nicht mehr sicher war, wo ich überhaupt stehe und was ich davon halten soll. Ich habe ständig damit gerechnet, irgendwann wieder so was wie Bodenhaftung in diesem Schleudergang, der sich Leben nennt, zu bekommen, aber irgendwie bin ich mir nicht mehr sicher, ob das jemals eintreten wird und – viel wichtiger – ob ich das überhaupt will. Oder ob ich vielleicht aufhören sollte, mich von jeder Veränderung verunsichern zu lassen und einfach Vertrauen in die Zukunft haben sollte. Ist natürlich leichter gesagt, als getan, aber zumindest wären wir damit schon bei meinem wichtigsten und eigentlich einzigen Neujahrsvorsatz.

