Rastlos
In letzter Zeit stehe ich irgendwie komplett neben mir. Ich verbringe jede freie Minute damit von Möbelhaus zu Möbelhaus zu tingeln und wenn diese dann irgendwann doch zusperren, gehe ich bis spät in die Nacht Kataloge durch, die ich sicherlich alle bereits zigtausend mal durchgeblättert habe, in der Hoffnung, vielleicht doch irgendetwas Interessantes übersehen zu haben. Von meiner zukünftigen Küche existieren bereits 27 Versionen – und ein Ende ist nicht abzusehen, denn noch immer traue ich mich nicht sie endgültig zu bestellen – aus lauter Angst ich könnte etwas übersehen haben, ein besseres Angebot, eine bessere Kombination der Kasteln, usw.
Ich wälze mich nächtelang schlaflos im Bett mit der Frage im Kopf, ob ich mir einen Kühlschrank nehmen soll, der nach rechts oder doch lieber nach links öffnet. Und werden die Sofas zu viel Platz im Wohnzimmer wegnehmen? Wie groß muss eine begehbare Garderobe eigentlich sein und wo bitteschön passt ein Bücherregal am besten hin? Welche Bilder sollen auf welcher Wand hängen und ist es ein Faux Pas unterschiedliche Holztöne in den gleichen Raum zu lassen?
Ich habe mich in meinen schlimmsten Albtraum verwandelt und weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Ich wollte relaxed an das ganze herangehen. Meine neue Wohnung genießen und mir keinen Stress mit dem Einrichten machen, mir Schritt für Schritt meine Traumwohnung gestalten, also woher kommt diese innere Unruhe und Rastlosigkeit, die mich befallen hat, seitdem ich meine Unterschrift unter den Mietvertrag gesetzt habe und seitdem nicht mehr loslässt? Ich will wieder durchschlafen, entspannen und mich auf andere Dinge als Einrichtung konzentrieren können – aus das Buch zum Beispiel, das ich seit 3 Wochen tagtäglich mit mir herumschleppe, ohne auch nur eine einzige Seite gelesen zu haben!
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