Grenzen
Als ich diesen Blog begonnen habe, habe ich beschlossen keine Informationen zu veröffentlichen, die mir oder meiner Familie mitunter schaden zufügen oder jemanden, der mir nahe steht, verletzen könnte. Die Anonymität ist des Bloggers bester Freund und gerade zu Beginn wägt man sich vermutlich oft in falscher Sicherheit. Doch ich bin nicht naiv, ich weiß, dass man etwas, was einmal veröffentlicht wurde, nicht einfach wieder zurücknehmen kann. Man wird niemals hundertprozentig kontrollieren können, wo Web nicht doch noch mal auftaucht, was man zuvor gelöscht hat. Ein wichtiges Thema, das in diesen Bereich hineinfällt, ist sicherlich mein Berufsleben. Bis zu einem gewissen Grad ist das der Grund, warum es hier in letzter Zeit ein wenig still geworden ist, denn abgesehen von meiner Wohnung fordert mein Job in den letzten Wochen meine komplette Aufmerksamkeit. Ich sitze oft nach der Arbeit in der Straßenbahn und mir gehen tausend Sachen durch den Kopf und ich möchte nichts lieber als darüber schreiben – wie mich immer wieder die Angst, zu versagen überkommt, wie mich Ereignisse zum nachdenken bringen, Dinge und Menschen aufregen und so manches komplett meine Sichtweise verändert.Doch ich weiß, dass ich dies später einmal bereuen könnte und dieses Risiko kann und will ich nicht eingehen. Nicht einmal für meine Psychohygiene.
Was ich alles nicht verstehe(n will)… Teil I
M. und ich nippen an unseren Mojitos, als plötzlich ein Bekannter von ihr an unserem Tisch steht. Man stellt sich vor und der Bekannte, T., setzt sich an unseren Tisch um ein wenig mit uns zu plaudern. Der Gute kann mit knapp über 30 auf eine berufliche Laufbahn zurückblicken, von der so mancher anderer nur träumen kann. Mittlerweile sitzt er in einer Führungsposition eines großen Konzerns und so manche seiner Untergebenen könnten auch seine Eltern sein.
Abgesehen von seinem beruflichen Erfolg besitzt T. durchaus Charme, den er sichtlich bewusst einsetzt. Das Gespräch ist wider aller Erwartungen kurzweilig und lustig, nein, er gehört keineswegs zu der Sorte „egozentrisch und nervtötend snobistisch“ wie so mancher seiner Artgenossen. Später, als M. und ich wieder unter uns sind, kann ich natürlich nicht anders und frage sie über T. aus.
Neben einer bewegten Vergangenheit erfahre ich, dass er derzeit seine über-100-Quadratemeter-Innenstadt-Dachterassenwohnung mit einer slowakischen Kassiererin/Nebenberufsmodel teilt. Man lässt sich gerne bei diversen Events gemeinsam sehen, wobei M. nicht einmal genau sagen könnte, ob die Freundin überhaupt der deutschen Sprache mächtig ist, da Sprechen offensichtlich nicht in ihre Hälfte der Aufgabenteilung in der Beziehung fällt.
Damit war für uns schnell klar, was der Mann in einer Lebens(abschnitts)partnerin sucht. Kleiner Tipp: Der intellektuelle Gedankenaustausch wird’s vermutlich nicht sein.
Ich bin natürlich auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen und weiß, dass es derartige Beziehungen millionenfach gibt und das auch immer bis zu einem gewissen Grad so bleiben wird, aber ich werde nie verstehen, warum erfolgreiche Frauen in den meisten Fällen sehr wohl von einem Mann träumen, der sich intellektuell und erfolgsmäßig auf einer Wellenlänge mit ihnen befinden, aber während erfolgreiche Männer eher das komplette Gegenteil suchen.
Sicherlich ist das ein Thema über das man mehrere Bücher füllen könnte, aber eines ist klar: Das Ganze macht einer intelligenten (halbwegs) erfolgreichen Frau das Leben nicht gerade einfacher.
Der samstägliche Albtraum hat einen Namen: IKEA
Wenn es um’s Shooping geht, bin ich normalerweise sehr hart im nehmen. So ungeduldig und reizbar ich bei so manchen anderen Dingen bin, wenn es um mein Einkaufsvergnügen geht, halte ich so einiges aus. Die einzige Situation, in der in ein Geschäft, ja sogar ein ganzes Einkaufsviertel war in Paris, an dem Tag an dem der offizielle Winterschlussverkauf begonnen hat. Ein Erlebnis, das ich nicht so gern wiederholen möchte – so verbilligt kann nichts sein, damit ich mich diesem Wahnsinn aus rabiaten Japanerinnern, die alles niedermähen, was sich zwischen ihnen und ihre Gucci-Tasche stellt, jemals wieder aussetzen würde. Wie auch immer, ich hatte naiverweise gedacht das wäre bereits der Gipfel des Irrsinns, tja, das war bevor ich IKEA am Samstag kennen gelernt habe.
Blöderweise geht es ca. 10 Millionen Österreichern, Ungarn, Slowaken und Tchechen genauso wie mir, und zwar, dass sie unter der Woche arbeiten müssen und daher nur am Samstag wirklich Zeit haben, sich um die stilgemäße Einrichtung ihrer eigenen vier Wände zu kümmern. So kommt es, dass ich jede Woche, wenn der Samstag naht, wahrhaftig Bauchkrämpfe bekomme, bei dem Gedanken, was mir wieder einmal bevorstehen wird. Ganz besonders vergangenen Samstag, als ich meine Küche abgeholt hatte und daher etwa 781 Einzelteile aus der Selbstbedinungshalle holen und diese dann in einen großen Transporter – der vorher auch noch geparkt werden musste – laden musste.
Ich muss wohl nicht dazusagen, dass an weggehen vergangenes Wochenende gar nicht zu denken war. Meine Laune hat sich erst gebessert, als ich am Sonntag Nachmittag mit S., meinem Papa und der Sisterella an meinem Esstisch gesessen bin, vor uns zwei Familienpizze, und stolz begutachtete, wie weit wir gemeinsam an nur einem Nachmittag gekommen waren. Auf dem gegenüberliegenden Dach lag noch Restschnee und die Straße wirkte noch idyllischer als sonst. Ich habe so ein Glück, so ein wunderes Plätzchen mitten in der Stadt gefunden zu haben. Und ich weiß, sobald ich diese Wohnung nicht mehr jedes Mal mit Rückenschmerzen verlassen muss, werde ich das noch mehr zu schätzen wissen.
Rastlos
In letzter Zeit stehe ich irgendwie komplett neben mir. Ich verbringe jede freie Minute damit von Möbelhaus zu Möbelhaus zu tingeln und wenn diese dann irgendwann doch zusperren, gehe ich bis spät in die Nacht Kataloge durch, die ich sicherlich alle bereits zigtausend mal durchgeblättert habe, in der Hoffnung, vielleicht doch irgendetwas Interessantes übersehen zu haben. Von meiner zukünftigen Küche existieren bereits 27 Versionen – und ein Ende ist nicht abzusehen, denn noch immer traue ich mich nicht sie endgültig zu bestellen – aus lauter Angst ich könnte etwas übersehen haben, ein besseres Angebot, eine bessere Kombination der Kasteln, usw.
Ich wälze mich nächtelang schlaflos im Bett mit der Frage im Kopf, ob ich mir einen Kühlschrank nehmen soll, der nach rechts oder doch lieber nach links öffnet. Und werden die Sofas zu viel Platz im Wohnzimmer wegnehmen? Wie groß muss eine begehbare Garderobe eigentlich sein und wo bitteschön passt ein Bücherregal am besten hin? Welche Bilder sollen auf welcher Wand hängen und ist es ein Faux Pas unterschiedliche Holztöne in den gleichen Raum zu lassen?
Ich habe mich in meinen schlimmsten Albtraum verwandelt und weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Ich wollte relaxed an das ganze herangehen. Meine neue Wohnung genießen und mir keinen Stress mit dem Einrichten machen, mir Schritt für Schritt meine Traumwohnung gestalten, also woher kommt diese innere Unruhe und Rastlosigkeit, die mich befallen hat, seitdem ich meine Unterschrift unter den Mietvertrag gesetzt habe und seitdem nicht mehr loslässt? Ich will wieder durchschlafen, entspannen und mich auf andere Dinge als Einrichtung konzentrieren können – aus das Buch zum Beispiel, das ich seit 3 Wochen tagtäglich mit mir herumschleppe, ohne auch nur eine einzige Seite gelesen zu haben!