Jag talar svenska

Wenn Euch irgendwann in den Strassen von Wien eine junge Frau über den Weg läuft, die gedankenverloren uverständliches Zeug vor sich herbrabbelt (und nicht gerade aussieht wie eine Obdachlose), dann stehen die Chancen ganz gut, dass ich es bin.

Ich habe gerade angefangen, Schwedisch zu lernen. Und ich muss sagen, dass ich kaum eine andere Sprache gelernt habe, die ich von anfang an derart lustig und gefunden habe und gleichzeitig hat mich total der Ergeiz gepackt, diese Sprache richtig gut zu lernen.

Warum ausgerechnet Schwedisch? Wo ich doch bereits vor mehr als drei Jahren ein Semester dort verbracht habe und auch wieder nach Hause geflogen bin ohne auch nur einen Satz Schwedisch gelernt zu haben. Vielleicht ist genau die Frage nach dem langfristigen Nutzen auch der Grund, warum es trotz meiner Schweden-Faszination immer Dinge gegeben hat, die auf meiner Prioritäten-Liste weiter oben gestanden sind.

Außerdem gab es doch da noch all die anderen “coolen” Sprachen, die ich doch auch perfektionieren wollte: Französisch zum Beispiel oder Spanisch. Nicht dass das besonders ausgefallene Sprachen wären, aber zumindest erstens weit verbreitet und zweitens in dern Augen der Allgemeinheit einfach sexier. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich nach meiner Zeit in Schweden fast ein Dreivierteljahr in Frankreich verbracht habe und auch wenn ich das alles nicht missen möchte und ich für immer eine ganz besondere Beziehung zu Paris haben werde, habe ich mich ehrlich gesagt nie so wohl dort gefühlt wie in Schweden. Trotz allem Savoir-vivre ist meine Faszination für Land und Leute bei Schweden viel ausgeprägter.

Daher habe ich beschlossen, allen fragenden Gesichtern zum trotz, Schwedisch zu lernen und ich muss sagen: Ich finde es toll. Abgesehen von der Aussprache, die einfach nicht so über meine Lippen kommen will, wie ich es gerne hätte. Ich höre, was mein Lehrer zu uns sagt, ich kann es förmlich richtig in meinem Kopf wiedergeben, aber sobald ich den Mund aufmache, kommen irgendwelche schrägen Laute heraus, die mit der schwedischen Sprache selbst mit viel Fantasie nicht sehr viel zu tun haben.

Nun gibt es Menschen, die sich mit “ungefähr richtig” und “hauptsache man versteht mich” zufrieden geben, aber jeder, der mich kennt, wird bestätigen, dass ich nicht zu diesen Menschen gehöre. Vor allem wo mein gutes Sprachgefühl bisher immer eine der Stärken war, auf die ich immer besonders stolz war. Deshalb arbeitet diese Niederlage in mir. Ununterbrochen. Und ich fürchte, bevor ich nicht die richtige Mundstellung gefunden habe, um diese Sprache wiederzugeben, werde ich keine Ruhe mehr finden. Und so lange werde ich durch Wien laufen und Sätze wie Jag heter Belle. Varifrån kommer du? Jag kommer från Osterike vor mich hinbrabbeln - und mich den verwunderten Blicken der Passanten stellen.

Februar 26, 2008. Uncategorized. Keine Kommentare.

Auftanken

Ich bin gerne unter Menschen. Ja, ich bin sehr wohl gesellig und kommunikativ. Und dennoch sind es manchmal die Tage, die ich komplett alleine verbringe, die so wichtig für mein emotionales Gleichgewicht sind. Heute war so ein Tag.

Ok, er hat nicht ganz so optimal begonnen, als ich kurz nach acht panisch hochgeschreckt bin, im Glauben ins Büro zu müssen, aber auch dieses Missverständnis war bald geklärt und so genoss ich es umso mehr, mich noch einmal unter die Bettdecke zu kuscheln.

Später wanderte ich dann auf meine Couch, wo ich mich mit einem Latte Macchiato und einem guten Buch in meine Kuscheldecke wickelte. Und dort blieb ich. Abgesehen vom regelmäßigen Nachschub mit Kaffee und Mini-Zimtschnecken verweigerte ich jegliche Form von unangnehmen Tätigkeiten. Der Plan war eigentlich genau so den Rest des Tages zu verbringen, um Ruhe und Kraft für die kommende Arbeitswoche zu sammeln.

Seit Wochen habe ich mich nämlich nach genau so einem Tag gefreut. An dem ich mich einfach mal total zurückziehen kann und nur entspannen. Doch wie das nun einmal so ist mit großen Wünschen, eröffnet sich, wenn einmal erfüllt, gleich Neue. In meinem Fall war das ein Museumsbesuch, den ich mir bereits seit Ewigkeiten vorgenommen hatte.

Also beschloss ich mich doch für ein paar Stunden von meiner Couch zu trennen - und sollte diese Entscheidung nicht bereueen. Der Besuch in der Albertina war perfekt, ich fand nur wieder einmal heraus, wie kurz meine Aufmerksamkeitsspanne in Museen leider ist. Ich liebe Museen und möchte am liebsten alle Eindrücke, alle Informationen auf einmal in mir aufsaugen, aber leider ist genau das nach spätestens einer Stunde einfach zu viel. So sehr ich mich auch bemühe, irgendwann ist die geht es einfach nicht mehr.

Aber ich war glücklich und zufrieden. Und nutzte die Gelegenheit, wo ich schon einmal stand, und nahm mir eine Kanne grünen Tee mit auf den Weg zur Couch, auf der ich seitdem knotze und sobald ich dies hier fertig geschrieben habe, werde ich mich auch wieder in mein Buch vertiefen und danach hoffentlich in einen friedlichen Schlaf sinken.

Februar 24, 2008. Good Times. Keine Kommentare.

Die vielen Facetten

Ich langweile mich. Es ist natürlich nicht so, dass mich mein Arbeitsalltag nicht ausreichend auf Trab hält, meistens jedenfalls, aber ich habe in letzter Zeit immer stärker das Gefühl, dass mein Geist nicht ausreichend gefordert wird. Mir fehlt es, etwas zu kreieren, zu schaffen und mich auf etwas voll und ganz zu konzentrieren. Mich intensiv mit etwas auseinanderzusetzen, zu recherchieren, Gedanken zu strukturieren und sie weiterentwickeln. Auch wenn ich von der Ferne betrachtet auch in meiner Arbeit etwas kreiere und bis zu einem gewissen Grad kreativ sein kann, aber im Grunde genommen erfinde ich das Rad nicht neu. Ich entwickle vielleicht manchmal vorhandene Konzepte weiter und kann hier vielleicht bis zu einem gewissen Grad ein wenig von meinen Ideen einbringen, aber seien wir ehrlich: In den meisten Fällen bewege ich mich auf abgegrastem Terrain.

Ich war schon immer sehr vielseitig interessiert, wollte alles ausprobieren, alles mal gesehen haben und natürlich in allem gut sein. Als Kind wollte ich Primaballerina werden, dann Musicalstar, dann Turnierreiterin, dann Schauspielerin, zwischenzeitlich auch Modedesignerin und Innenarchitektin. Um ehrlich zu sein, hegte ich manche dieser Träume sogar noch, als ich schon längst an der Wirtschaftsuniversität studierte.

Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte sie nicht manchmal hinterfragt. Mich gefragt, ob ich tatsächlich nach meinem inneren Kompass dieses Studium gewählt hatte oder einfach einen sicheren, vorgegebenen Weg eingeschlagen hatte. Natürlich sollte ich später herausfinden, dass auch ein Wirtschaftsstudium auch keine „g’mahte Wiesn“ ist, wie man so schön sagt, aber  im Endeffekt habe ich meine Studienzeit sehr genossen, habe die sich mir bietenden Möglichkeiten genutzt, habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und teilweise mich auch mit einer gewissen Begeisterung vielen Fächern gewidmet. Aber ich habe auch gelernt, dass das alleine nicht ausreicht, dass ich im Grunde meines Herzens die Kreativität und die Entfaltung brauche. Ich brauche auch eine Welt abseits von Struktur, Analytik, Zahlen und Erfolgsorientierung. Eine Welt in der tatsächlich der Weg das Ziel ist.

Ohne es bewusst wahrzunehmen, war bis zu einem gewissen Grad der Journalismus neben meinem Studium mein Ausgleich. Danach gab es eine Zeit, in der meine ganze Energie in meine Karriereplanung ging  - eine aufreibende und sehr energieraubende Zeit, in der ich mich im Nachhinein betrachtet mehr von meinem wahren ich entfernt habe, als je zuvor in meinem Leben.

Kürzlich spürte ich sie jedoch wieder: diese Sehnsucht nach kreativer Entfaltung, danach etwas zu erschaffen, das einen Teil von mir in sich trägt. Daher freue ich mich umso mehr auf meinen Fotografie-Kurs, der nächste Woche beginnt.

Februar 11, 2008. Moi, Uncategorized. Keine Kommentare.

Rosarote Träume

Beim dritten Versuch akzeptierte das blöde Ding endlich meine Magnetkarte und ein “klick” gab den Weg in mein Hotelzimmer für die nächsten 2 Tage frei. Ich freute mich darauf mich einfach nur kurz auf mein Bett fallen zu lassen, einfach für 2 Minuten tief durchatmen bis ich wieder in die Lobby zum Treffen mit meinen Arbeitskollegen musste.

Ich hatte einen harten Tag, nein, eine harte Woche hinter mir und der Gedanke an diesen Firmenworkshop löste in mir in etwa den gleichen Grad der Euphorie aus wie das Ausfüllen meiner Steuererklärung. Im Büro wartete tonnenweise Arbeit auf mich, Deadlines mit Agenturen und Druckereien, die ich durch meine Abreise nicht würde einhalten können und überhaupt fühlte ich mich ganz und gar nicht in der Lage, die nächsten Tage vom Frühstück bis zum Schlafen gehen ein ich-freu-mich-ja-so-hier-sein-zu-dürfen-und-meine-kollegen-und-chefs-mal-von-einer-ganz-anderen-seite-kennen-zu-lernen Gesicht aufzusetzen.

Als ich das Licht in meinem Zimmer aufdrehte haute es mir jedoch die Augen ein. Pink wohin das Auge reicht, in jeglichen Helligkeitsgraden und Schattierungen - von schweinchenrosa bis Magenta. Ich traute meinen Augen nicht. Ich war in einem Vier-Sterne-Hotel, nicht in irgendeinem Südstaaten-Bordell, was also sollte das. Das Himmelbett war rund und umgeben von einer Spiegelreihe, die nur durch ein Fenster, dass in mein Bad, genauer gesagt in meine riesige Eckbadewanne blicken ließ. Über einer kitschigen (schweinchenrosa) Kommode hängte ein Casablanca-Filmplakat, das - Überraschung - in Pink leuchtete.

Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Las Vegas unmöglich in einer guten Stunde mit dem Auto von Wien aus erreichbar ist, hätte ich geschworen, M war, während ich auf der Rückbank friedlich vor mich hinschlummerte, irgendwo falsch abgebogen.

Plötzlich überhaupt nicht mehr müde, zückte ich natürlich sofort Handy und Digicam, um diese Ausgeburt eines offenbar betrunkenen Innenarchitekten für die Nachwelt und vor allem für meine Freunde daheim festzuhalten.

Von meinen Kollegen erntete ich zunächst einen “Jetzt fängt sie auch noch an, zu halluzinieren”-Blick auf die Frage “Sind eure Zimmer auch so rosa?!”, doch nachdem ich den Beweis angetreten war und kurzerhand eine Führung für die anderen organisierte, sah ich nur mehr in Gesichter - irgendwo zwischen Belustigung und Entsetzen.

Kurz vor der Abreise sollte ich jedoch herausfinden, dass ich in der Honeymoon-Suite gelandet war. Irgendjemand in diesem Hotel hatte offenbar einen besonderen Sinn für Humor, ausgerechnet MICH in der Honeymoon-Suite einzuquartieren. Ich, die von einer Hochzeit etwa so entfernt ist, wie Paris Hilton der öffentlichen Bücherei.

Aber - vielleicht lag es an der Bergluft oder auch an den Aperol-Spritzern, die ich mir davor reimgezwitschert hatte - geschlafen habe ich wie ein Baby.

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Februar 10, 2008. Working Girl. Keine Kommentare.

Wiederbelebung

Wenn man seinen Blog so lange vernachlässigt hat wie ich, kommt irgendwann der Punkt, an dem man gar nicht mehr so genau weiß, wie man eigentlich wieder einsteigen kann oder mit welchem Eintrag man überhaupt starten soll.

Um aber weitermachen zu können, sollte ich vielleicht ein kurzes Update geben, was in den letzten Wochen so passiert ist.

- Die neue Wohnung ist nach wochenlangem Bohren, Schrauben, Hämmern und Schleppen endlich wohnlich. Nicht zu vergessen meine Obsessionen mit Einrichtung und allem, was damit zu tun hat, den fast täglichen Trips zu IKEA, Interio, Kare und allen möglichen Einrichtungsmagazinen – persönlich oder online.

- Der neue Job ist manchmal stressig und aufreibend, hin und wieder frustrierend, kräftezehrend und herausfordernd, aber im Großen und Ganzen schlage ich mich glaube ich die meiste Zeit ganz gut.Die letzten Wochen waren so aufreibend, dass ich mir manchmal selbst gar nicht mehr sicher war, wo ich überhaupt stehe und was ich davon halten soll. Ich habe ständig damit gerechnet, irgendwann wieder so was wie Bodenhaftung in diesem Schleudergang, der sich Leben nennt, zu bekommen, aber irgendwie bin ich mir nicht mehr sicher, ob das jemals eintreten wird und – viel wichtiger – ob ich das überhaupt will. Oder ob ich vielleicht aufhören sollte, mich von jeder Veränderung verunsichern zu lassen und einfach Vertrauen in die Zukunft haben sollte. Ist natürlich leichter gesagt, als getan, aber zumindest wären wir damit schon bei meinem wichtigsten und eigentlich einzigen Neujahrsvorsatz.

Februar 6, 2008. Uncategorized. Keine Kommentare.

Grenzen

Als ich diesen Blog begonnen habe, habe ich beschlossen keine Informationen zu veröffentlichen, die mir oder meiner Familie mitunter schaden zufügen oder jemanden, der mir nahe steht, verletzen könnte. Die Anonymität ist des Bloggers bester Freund und gerade zu Beginn wägt man sich vermutlich oft in falscher Sicherheit. Doch ich bin nicht naiv, ich weiß, dass man etwas, was einmal veröffentlicht wurde, nicht einfach wieder zurücknehmen kann. Man wird niemals hundertprozentig kontrollieren können, wo Web nicht doch noch mal auftaucht, was man zuvor gelöscht hat. Ein wichtiges Thema, das in diesen Bereich hineinfällt, ist sicherlich mein Berufsleben. Bis zu einem gewissen Grad ist das der Grund, warum es hier in letzter Zeit ein wenig still geworden ist, denn abgesehen von meiner Wohnung fordert mein Job in den letzten Wochen meine komplette Aufmerksamkeit. Ich sitze oft nach der Arbeit in der Straßenbahn und mir gehen tausend Sachen durch den Kopf und ich möchte nichts lieber als darüber schreiben – wie mich immer wieder die Angst, zu versagen überkommt, wie mich Ereignisse zum nachdenken bringen, Dinge und Menschen aufregen und so manches komplett meine Sichtweise verändert.Doch ich weiß, dass ich dies später einmal bereuen könnte und dieses Risiko kann und will ich nicht eingehen. Nicht einmal für meine Psychohygiene.

November 28, 2007. Working Girl. Keine Kommentare.

Was ich alles nicht verstehe(n will)… Teil I

M. und ich nippen an unseren Mojitos, als plötzlich ein Bekannter von ihr an unserem Tisch steht. Man stellt sich vor und der Bekannte, T., setzt sich an unseren Tisch um ein wenig mit uns zu plaudern. Der Gute kann mit knapp über 30 auf eine berufliche Laufbahn zurückblicken, von der so mancher anderer nur träumen kann. Mittlerweile sitzt er in einer Führungsposition eines großen Konzerns und so manche seiner Untergebenen könnten auch seine Eltern sein.

Abgesehen von seinem beruflichen Erfolg besitzt T. durchaus Charme, den er sichtlich bewusst einsetzt. Das Gespräch ist wider aller Erwartungen kurzweilig und lustig, nein, er gehört keineswegs zu der Sorte „egozentrisch und nervtötend snobistisch“ wie so mancher seiner Artgenossen. Später, als M. und ich wieder unter uns sind, kann ich natürlich nicht anders und frage sie über T. aus.

Neben einer bewegten Vergangenheit erfahre ich, dass er derzeit seine über-100-Quadratemeter-Innenstadt-Dachterassenwohnung mit einer slowakischen Kassiererin/Nebenberufsmodel teilt. Man lässt sich gerne bei diversen Events gemeinsam sehen, wobei M. nicht einmal genau sagen könnte, ob die Freundin überhaupt der deutschen Sprache mächtig ist, da Sprechen offensichtlich nicht in ihre Hälfte der Aufgabenteilung in der Beziehung fällt.

Damit war für uns schnell klar, was der Mann in einer Lebens(abschnitts)partnerin sucht. Kleiner Tipp: Der intellektuelle Gedankenaustausch wird’s vermutlich nicht sein.

Ich bin natürlich auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen und weiß, dass es derartige Beziehungen millionenfach gibt und das auch immer bis zu einem gewissen Grad so bleiben wird, aber ich werde nie verstehen, warum erfolgreiche Frauen in den meisten Fällen sehr wohl von einem Mann träumen, der sich intellektuell und erfolgsmäßig auf einer Wellenlänge mit ihnen befinden, aber während erfolgreiche Männer eher das komplette Gegenteil suchen.

Sicherlich ist das ein Thema über das man mehrere Bücher füllen könnte, aber eines ist klar: Das Ganze macht einer intelligenten (halbwegs) erfolgreichen Frau das Leben nicht gerade einfacher.

November 25, 2007. L'Amour. Keine Kommentare.

Der samstägliche Albtraum hat einen Namen: IKEA

Wenn es um’s Shooping geht, bin ich normalerweise sehr hart im nehmen. So ungeduldig und reizbar ich bei so manchen anderen Dingen bin, wenn es um mein Einkaufsvergnügen geht, halte ich so einiges aus. Die einzige Situation, in der in ein Geschäft, ja sogar ein ganzes Einkaufsviertel war in Paris, an dem Tag an dem der offizielle Winterschlussverkauf begonnen hat. Ein Erlebnis, das ich nicht so gern wiederholen möchte – so verbilligt kann nichts sein, damit ich mich diesem Wahnsinn aus rabiaten Japanerinnern, die alles niedermähen, was sich zwischen ihnen und ihre Gucci-Tasche stellt, jemals wieder aussetzen würde. Wie auch immer, ich hatte naiverweise gedacht das wäre bereits der Gipfel des Irrsinns, tja, das war bevor ich IKEA am Samstag kennen gelernt habe.
Blöderweise geht es ca. 10 Millionen Österreichern, Ungarn, Slowaken und Tchechen genauso wie mir, und zwar, dass sie unter der Woche arbeiten müssen und daher nur am Samstag wirklich Zeit haben, sich um die stilgemäße Einrichtung ihrer eigenen vier Wände zu kümmern. So kommt es, dass ich jede Woche, wenn der Samstag naht, wahrhaftig Bauchkrämpfe bekomme, bei dem Gedanken, was mir wieder einmal bevorstehen wird. Ganz besonders vergangenen Samstag, als ich meine Küche abgeholt hatte und daher etwa 781 Einzelteile aus der Selbstbedinungshalle holen und diese dann in einen großen Transporter – der vorher auch noch geparkt werden musste – laden musste.
Ich muss wohl nicht dazusagen, dass an weggehen vergangenes Wochenende gar nicht zu denken war. Meine Laune hat sich erst gebessert, als ich am Sonntag Nachmittag mit S., meinem Papa und der Sisterella an meinem Esstisch gesessen bin, vor uns zwei Familienpizze, und stolz begutachtete, wie weit wir gemeinsam an nur einem Nachmittag gekommen waren. Auf dem gegenüberliegenden Dach lag noch Restschnee und die Straße wirkte noch idyllischer als sonst. Ich habe so ein Glück, so ein wunderes Plätzchen mitten in der Stadt gefunden zu haben. Und ich weiß, sobald ich diese Wohnung nicht mehr jedes Mal mit Rückenschmerzen verlassen muss, werde ich das noch mehr zu schätzen wissen.

November 12, 2007. Uncategorized. Keine Kommentare.

Rastlos

In letzter Zeit stehe ich irgendwie komplett neben mir. Ich verbringe jede freie Minute damit von Möbelhaus zu Möbelhaus zu tingeln und wenn diese dann irgendwann doch zusperren, gehe ich bis spät in die Nacht Kataloge durch, die ich sicherlich alle bereits zigtausend mal durchgeblättert habe, in der Hoffnung, vielleicht doch irgendetwas Interessantes übersehen zu haben. Von meiner zukünftigen Küche existieren bereits 27 Versionen – und ein Ende ist nicht abzusehen, denn noch immer traue ich mich nicht sie endgültig zu bestellen – aus lauter Angst ich könnte etwas übersehen haben, ein besseres Angebot, eine bessere Kombination der Kasteln, usw.

Ich wälze mich nächtelang schlaflos im Bett mit der Frage im Kopf, ob ich mir einen Kühlschrank nehmen soll, der nach rechts oder doch lieber nach links öffnet. Und werden die Sofas zu viel Platz im Wohnzimmer wegnehmen? Wie groß muss eine begehbare Garderobe eigentlich sein und wo bitteschön passt ein Bücherregal am besten hin? Welche Bilder sollen auf welcher Wand hängen und ist es ein Faux Pas unterschiedliche Holztöne in den gleichen Raum zu lassen?

Ich habe mich in meinen schlimmsten Albtraum verwandelt und weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Ich wollte relaxed an das ganze herangehen. Meine neue Wohnung genießen und mir keinen Stress mit dem Einrichten machen, mir Schritt für Schritt meine Traumwohnung gestalten, also woher kommt diese innere Unruhe und Rastlosigkeit, die mich befallen hat, seitdem ich meine Unterschrift unter den Mietvertrag gesetzt habe und seitdem nicht mehr loslässt? Ich will wieder durchschlafen, entspannen und mich auf andere Dinge als Einrichtung konzentrieren können – aus das Buch zum Beispiel, das ich seit 3 Wochen tagtäglich mit mir herumschleppe, ohne auch nur eine einzige Seite gelesen zu haben!

November 5, 2007. Obsessionen. Keine Kommentare.

Filmfieber

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Gestern Abend habe ich mir im Rahmen der Viennale den Film „Michael Clayton“ angesehen. Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich anfangs gar nicht so enthusiastisch war, als A. sich den Film als Teil ihres Geburtstagsgeschenkes ausgesucht hatte, aber man kann dem Geburtstagskind ja schwer etwas abschlagen, daher habe ich mich dem Wunsch gebeugt. Es war ja nicht so, als hätte mich der Film nicht interessiert, aber ich hatte mir für meine Viennale Premiere einfach etwas ein wenig …. anspruchsvolleres, intellektuelleres gewünscht. Aber im Nachhinein war ich vollauf zufrieden mit unserer Wahl: Nicht nur, dass George Clooney wieder einmal zum schmachten war, auch der Film selbst war spannend bis zur letzten Minute, die Handlungsstränge wurden auf geniale Art und Weise langsam miteinander verbunden, sodass man nicht, wie es sonst bei amerikanischen Actionfilmen oft der Fall ist, bereits nach den ersten 20 Minuten eine Ahnung hat, wie es weitergeht, sondern bis zum Schluss braucht, um die Handlungsstränge zu verbinden und zu verstehen.
Peinlich war lediglich, dass ich die ersten 10 Minuten nur halb mitbekommen hatte, da ich mit dem Schlaf gekämpft hatte. Nein, nein, der Film war wirklich spannend, aber es passiert mir in letzter Zeit andauernd, dass mir, sobald ich irgendwo ruhig sitze, die Augen zufallen. So auch letztes Wochenende als meine Freundin MD aus Deutschland zu Besuch war und ich uns einmal Karten für die Oper (La Traviata) und einmal für’s Theater (Der Sturm) besorgt hatte und dann echte Probleme hatte, wach zu bleiben. Das Problem ist: Ich schlafe in letzter Zeit viel zu wenig, wenn ich wach bin, passiert einfach zu viel, das meine Adrenalinspiegel permanent in die Höhe treibt oder dort hält, so dass ich einfach erschöpft bin – glücklich erschöpft, aber doch erschöpft. Mehr dazu ein andermal – ich muss jetzt weiter, denn heute Abend erwartet mich mein nächster Viennale Film: Je pense à vous. Man darf gespannt sein.

Oktober 22, 2007. Good Times. Keine Kommentare.

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